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Lin Yifu: China und die Finanzkrise
Text: Yan Ying

 
 
 
 

Lin Yifu war Leiter des Chinesischen Wirtschafts-Forschungszentrums der Peking-Universität und ist stellvertretender Präsident der Weltbank.

 Herr Lin Yifu teilte kürzlich unserer Journalistin seine Auffassung von der gegenwärtigen internationale Finanzkrise und ihren Auswirkungen auf Chinas Wirtschaft mit.

Lin Yifus Meinung kann man so zusammenfassen: Voraussichtlich wird sich das wirtschaftliche Wachstumstempo Chinas im Jahre 2009 zwischen 8 % und 9% befinden. Die schnelle Entwicklung der chinesischen Wirtschaft wird einen großen Beitrag zur Überwindung der Finanzkrise leisten.

,,China im Bild“: Die Finanzkrise breitet sich gerade auf der ganzen Welt aus. Manche Gelehrte meinen, dass sich China zur Zeit nicht übertrieben nach außen öffnen soll. Welche Meinung haben Sie dazu?

Lin Yifu: China muß die Politik der Reform und Öffnung beharrlich weiterführen. Die Tatsachen haben uns deutlich gesagt: Vor der Politik der Reform und Öffnung nahm der Import-Export-Handel etwa 9,5% des Bruttoinlandsproduktes ein. Damals war das Pro-Kopf-Einkommen nicht über 150 US_Dollar. Aber heute nimmt der Import-Export-Handel etwa 70% des Bruttoinlandsproduktes ein, und das Pro-Kopf-Einkommen erreicht 2000 US-Dollar. Vor der Reform und Öffnung gelangten fast keine ausländische Geldmittel nach China. Seit dem Beginn der Reform- und Öffnungspolitik gibt es viele ausländische Geldmittel in China. Man kann es sagen, dass die Politik der Reform und Öffnung die Entwicklung bedeutet.

Angesichts der gegenwärtigen Finanzkrise hat China drei Verteidigungslinien: 1. Hohe Devisenreserven; 2. Keine Eröffnung von Kapitalkonten, kein Kapitalabfluß; 3. Bessere finanzielle Lage.

,,China im Bild“: Sagt uns diese Finanzkrise nicht, dass das System der freien Marktwirtschafts große Probleme hat? Wie behandelt man die Beziehungen zwischen dem Markt und der Regierung?

Lin Yifu: Wir brauchen sowohl den Markt, als auch die Regierung. Auch während der marktwirtschaftlichen Entwicklung übernimmt die Regierung eine Funktion in der Planung, Kontrolle und Verwaltung. Wenn der Markt es selbst gut machen kann, lassen wir es den Markt selbst machen. Wenn es der Markt selbst nicht gut machen kann, soll es die Regierung machen. Diese Finanzkrise ist eine Niederlage des Marktes und auch der Regierungen. Diese Finanzkrise hat uns gezeigt, dass sich der Markt und die Regierung besser ergänzen müssen.

,,China im Bild“: Wohin wird die künftige Weltwirtschaft gehen?

Lin Yifu: Unter dem Einfluß dieser Finanzkrise werden viele entwickelte Länder unvermeidlich in eine wirtschaftliche Abschwungsphase geraten. Das ist eine gemeinsame Erkenntnis der nichtstaatlichen Organisationen und der offiziellen Organisationen. Voraussichtlich wird im Jahre 2009 in den USA, Europa und Japan das Wirtschaftswachstum ein Nullwachstum ein negatives Wachstum sein.

,,China im Bild“: Was verfolgen Sie in dieser Finanzkrise besonders aufmerksam?

Lin Yifu: Die gegenwärtige Finanzkrise ist die größte seit 1929. Zur Zeit werden entwickelte Länder, besonders die USA und die Länder in Europa, besonders aufmerksam verfolgt. Aber ich bin ein Wirtschaftswissenschaftler der Weltbank. Ich verfolge die Entwicklungsländer besonders aufmerksam. Die Weltbank ist eine internationale Entwicklungsorganisation. Ihre Hauptaufgabe ist, den Entwicklungsländern Hilfe zur Wirtschaftsentwicklung zu gewähren.

,,China im Bild“: Welche Einflüsse hat diese Finanzkrise auf die Entwicklungsländer?

Lin Yifu: Wenn die entwickelten Länder in eine wirtschaftliche Abschwungsphase geraten, werden Exporte und Kapitalzufluß sich unvermeidlich verringern. Durch die Finanzkrise wird das Kapial der Finanzorganisationen der entwickelten Länder leider wieder aus den Entwicklungsländern abfließen.

Die Preise von Erdöl und Erzen werden weiter sinken. Auch das führt zur Verringerung von Exporten und Investitionen. In dieser Lage wird die Wirtschaft der Entwicklungsländer bestimmt in eine schwierige Phase geraten.

Außerdem können die Verringerung der Investitionen und der Kapitalabfluß zu einer Bankkrise in den Entwicklungsländer führen.In manchen Entwicklungsländern, die seit langer Zeit von einem großen Kapitalzufluss abhängig sind, werden die Verlangsamung der wirtschaftlichen Entwicklung und die Bankkrise unvermeidlich zur Finanzkrise, ja sogar zur ,,Zahlungskrise“ führen.

,,China im Bild“: Was sollen die Entwicklungsländer in dieser Finanzkrise machen?

Lin Yifu: 1. Verhütung des Finanzzusammenbruches. Die Regierung soll durch eine Reihe positiver Maßnahmen den Andrang auf die Banken und den Zusammenbruch der Banken verhüten. 2. Die Regierung soll auf jeden Fall ein bestimmtes Wirtschaftsentwicklungstempo halten. Zur Zeit ist der Preis von Erdöl, Erze und Getreide bereits gesenkt. Der Inflationsdruck ist deshalb klein. Angesichts der langsamen wirtschaftlichen Entwicklung soll die Regierung eine relativ milde Währungspolitik durchführen.

Währungspolitik hat 3 Seiten: Erstens kann sie den Zins zu senken. Dadurch kann die Bank mehr Kreditmittel bekommen. Die Kreditmittel können Unternehmen unterstützen und das Wirtschaftswachstum voranbringen. Zweitens ist eine wirksame Finanzpolitik durchzuführen. Während der langsamen wirtschaftlichen Entwicklung sollte in Entwicklungsländern der Aufbau der Infrastruktur, auch der sozialen Infrastruktur, verstärkt werden. Dadurch wird die Wirtschaftsentwicklung vorangebracht. Das bedeutet auch eine Vergrößerung der Investitionen in die Sozialversicherung, Erziehung, Gesundheit usw.. Dadurch bekommt die künftige Wirtschaftsentwicklung eine Chance.

Um die Verschlimmerung Finanzkrise in den Entwicklungsländern zu vermeiden, sollte jede Regierung eine wirksame Währungs- und Finanzpolitik durchführen.. Denn die Finanzkrise in den Entwicklungsländern kann sich zu einer ernsten Existenzkrise der Entwicklungsländer entwickeln.

,,China im Bild“: Was soll China angesichts dieser Finanzkrise machen?

Lin Yifu: Diese Finanzkrise hat unvermeidlich Einfluß auf Chinas Wirtschaft. Aber China hat die Fähigkeit, die Finanzkrise zu überwinden und das Wirtschaftswachstum zu halten.

Angesichts der Finanzkrise wird China den Aufbau der Infrastruktur verstärken und die Entwicklungsumgebung der ländlichen Gebiete verbessern. Durch die Steigerung des Einkommens der Bauern wird der Bedarf der ländlichen Gebiete vergrößert.

2009 wird sich das wirtschaftliche Wachstumstempo Chinas voraussichtlich zwischen 8% und 9% befinden. Weltweit gesehen wird China ein Land mit  schnellem Wirtschaftswachstum bleiben.

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