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Die Politik der Reform und Öffnung nach außen, die vor 30 Jahren begann, hat das Leben vieler Chinesen verändert. Im Folgenden wollen wir unseren Lesern drei berühmte Persönlichkeiten vorstellen: den Diplomaten Wu Jianmin, den Wissenschaftler Zhang Yaqin und den Unternehmer Zong Qinghou.
Redaktionelle Bemerkung: Wu Jianmin wurde am 30. März 1939 in Chongqing, der heutigen vierten regierungsunmittelbaren Stadt Chinas, geboren. Im Jahre 1959 absolvierte er als Französisch-Student die Hochschule für Fremdsprachen in Beijing und arbeitete dann als Dolmetscher im Außenministerum. Wegen seiner hervorragenden französischsprachigen Fähigkeiten diente er mehrmals als Dolmetscher für staatliche Politiker wie Vorsitzender Mao Zedong, Ministerpräsident Zhou Enlai und Außenminister Chen Yi. Von 1971 bis 1989 arbeitete er nacheinander als dritter und zweiter Sekretär sowie Botschaftsrat der chinesischen ständigen diplomatischen Delegation in der UNO. Von 1991 bis 1994 war er Leiter und Sprecher der Presseabteilung des Außenministeriums. In den folgenden Jahren, also zwischen 1994 und 2003, war er nacheinander Botschafter in Holland, der Schweiz und Frankreich. Im Juni 2003 wurde er Rektor der Diplomatischen Hochschule in Beijing und im Dezember desselben Jahres wurde er als erster Chinese zum Präsidenten des Büros für Internationale Ausstellungen (Bureau of International Expositions, BIE) gewählt. Im November 2004 wurde er zum Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Im folgenden Artikel hat Wu Jianmin als Berufsdiplomat unsern Lesern erzählt, wie die rapide Entwicklung Chinas in den letzten 30 Jahren die Ansichten der westlichen Länder über China geändert hat.
Nach der 11. Plenartagung des XI. Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas im Jahre 1978 geschah in China in allen Aspekten der Gesellschaft, einschließlich der Diplomatie, eine große Umwandlung, die die Ansichten der westlichen Länder über China allmählich veränderte.
Von der Skepsis zur Debakel-Theorie
Von 1978 bis 1989 befand sich die Welt noch in der Epoche des Kalten Krieges. Damals dachte man in den westlichen Ländern noch in den Kategorien der Konfrontation zwischen dem Westen und dem Osten. Manche bemerkten, dass die Reform und Öffnung Chinas ganz anders war als die Politik der Sowjetunion. Das war für den Westen nicht schlecht, weil der Hauptfeind die Sowjetunion war. Aber man glaubte nicht ganz, dass China recht schnell modernisiert werden könnte. Damals war die Skepsis die Haupttendenz gegenüber China. In den 12 Jahren zwischen 1978 und 1989 belief sich das gesamte ausländische Investitionskapital in China nur auf 15 Milliarden US-Dollar. Heute beträgt es 800 Milliarden US-Dollar.
Im Jahre 1983 arbeitete ich in der politischen Forschungsabteilung des Außenministeriums. Damals war die chinesische Telekommunikationstechnik sehr rückständig. Um diese Lage zu ändern, hat die chineische Regierung beschlossen, in Zusammenarbeit mit der belgischen Firma ITT Bell in Shanghai programmgesteuerte Telefonapparate herzustellen. Aber dafür brauchte man die Genehmigung der USA. Deshalb bat der damalige chinesische Außenminister Wu Xueqian seinen belgischen Kollegen, die USA zu überreden. Dank der diplomatischen Bemühungen wurde das Projekt erfolgreich durchgeführt.
Die Ereignisse rund um die Demonstrationen auf dem Tian'anmen-Platz in Beijing im Frühling und Sommer 1989 wurden schließlich von vielen westlichen Ländern zum Vorwand genommen, um gegen China politische und wirtschaftliche Sanktionen zu verhängen. Damals geschahen im Osteuropa auch gewaltige Veränderungen. Die Sowjetunion begann zu zerfallen. So meinten viele Politker der westlichen Länder, dass die kommunistische Regierung Chinas nicht weiter existieren könnte.
Vom Januar 1989 bis zum Dezember 1990 war ich Politikrat der chinesischen Botschaft in Belgien und des chinesischen diplomatischen Korps in der Europäischen Union (EU). Anfang 1989 hatte ich gute Kontakte mit führenden Politikern Belgiens und der EU. Aber nach dem Tian'anmen-Zwischenfall konnte ich nur niedrige Beamte Belgiens und der EU besuchen. Eines Tages lud ich einen diplomatischen EU-Beamten zum Mittagsessen ein. Er hat meine Einladung angenommen. Als ich einem Restaurant auf ihn wartete, teilte er mir telefonisch mit, dass er auf Anweisung von oben nicht zu mir zum Essen kommen konnte. Das war unvorstellbar, dass ein Diplomant eine Verabredung gebrochen hat.
Im Februar 1990 empfang ein EU-Vizevorsitzender asiatische Diplomaten zu einem Mittagsessen. Ich wurde auch dazu einladen. Während des Essens stellte ein Beamter mir einige Fragen über China. So sagte ich ihm, wenn er Zeit hatte, wollte ich gern ihn zum Essen einladen und ihm ausführlich über China erzählen. Unhöflich sagte er: „Ich weiß ja nicht, ob die Regierung Ihres Landes nach drei Monaten noch existieren wird.“ Ich war wutentbrannt und sagte ihm: „In Europa gibt es ein Sprichtwort: Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Warten wir ab, wir werden ja sehen!“
Von der Bedrohungs- zur Verantwortungs-Theorie
Im Juli 1997 brach in Asien plötzlich eine ernste Finanzkrise aus. Viele berühmte Ökonomen der westlichen Länder meinten, dass das Wirtschaftswunder Asiens beendet und chinesische Währung RMB unvermeindlich abgewertet würde. Angesichts dieser Finanzkrise hat die chinesische Regierung der ganzen Welt erklärt: Die chinesische Währung RMB wird nicht abgewertet! Die chinesische Regierung hat auch getan, was sie gesprochen hat. Durch diese Maßnahmen hat China den anderen asiatischen Ländern geholfen, sich allmählich aus dieser Finanzkrise zu befreien.
Zur Wiederbelebung der Wirtschaft hat die chinesische Regierung noch andere Maßnahmen getroffen. Zum Beispiel wurde der Infrastukturaufbau beschleunigt. Im Jahre 1997 gab es in China nur 2000 km an Autobahnen. Heute erreicht die Autobahnlänge 54 000 km.
Chinas Leistungen für die Überwindung der Asien-Finanzkrise fanden bei vielen Politikern und Ökonomen der westlichen Länder wie bei Jean-Claude Trichet, dem damaligen Präsidenten der Bank of France, heute dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank, hohe Anerkennung.
Aber angesichts der Stärkung der chinesischen Wirtschaft kam in der westlichen Welt eine sogenannte Bedrohungs-Theorie auf. Viele Politiker der westlichen Länder meinten, dass ein weiter erstarkendes China wie die ehemalige Sowjetunion eine Bedrohung für diese Länder werden könnte. Am 21. September 2005 hielt der amerikanische Vizeaußenminister Robert im nationalen Komitee für Beziehungen zu China eine Rede mit dem Thema „Wohin geht China?“ In seiner Rede meinte er, dass China ein „responsible stakeholder“ im internationalen System sein sollte. Das bedeutet, dass China bei der Erledigung der internationalen Angelegenheiten eine positive Rolle spielen sollte.
Im Jahre 2007 fand während der Jahresversammlung des World Economic Forums (WEF) in Davos in der Schweiz ein Syposium mit dem Thema „Welche Welt braucht China?“ statt, an dem Cheng Siwei, Vizevorsitzender des Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses der Volkrepublik China, und viele Politiker und Experten der USA und Europas teilnahmen. Das war seit dem Opiumkrieg im Jahre 1848 das erste Mal, dass die westlichen Länder China fragten: Welche Welt braucht China?
Das Jahr 2008 war für China unvergesslich. Die 29. Olympische Sommerspiele fanden in Beijing statt. Sie haben 4,5 Milliarden Zuschauer angezogen. Ihre erfolgreiche Austragung fand aller Welt hohe Anerkennung