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Der US-Film Kung Fu Panda war 2008 der größte Kinoerfolg in China. Die Verbindung von chinesischer Kampfkunst und amerikanischer Zeichentricktechnik wird geradezu als Symbol für den blühenden kulturellen Austausch zwischen den beiden Nationen wahrgenommen, der vor 30 Jahren mit einigen Aktionen des Guten Willens eingeleitet wurde.
Grünes Licht
Am 1. Januar 1979 nahmen die Volksrepublik China und die Vereinigten Staaten von Amerika offizielle diplomatische Beziehungen auf. Am 28 Januar 1979 besuchte Deng Xiaoping in seiner damaligen Funktion als Vizepremier des Staatsrates die USA während der Zeit des traditionellen chinesischen Frühlingsfestes. Es war der erste hochrangige Staatsbesuch zwischen den beiden Ländern seit der Gründung der Volksrepublik im Jahr 1949.
Der Kalte Krieg war damals noch im Gang, und die Diplomaten auf beiden Seiten arbeiteten angestrengt an der Überwindung der ideologischen Hindernisse auf dem Weg zu bilateraler Verständigung. Neben den offiziellen Gesprächen waren für den Besuch des chinesischen Staatsmannes auch informelle Aktivitäten geplant. Dazu gehörte die große Feier, zu der Präsident Jimmy Carter am 29. Januar ins Kennedy Center in Washington D.C. einlud.
Yuan Xianlu und Jiang Yuanchun schrieben damals in der Volkszeitung: “Alle Darbietungen, von der Schwarzen-Oper Eubie über die Ballete Pasture Landscape und Basketball Game bis zu dem Folk-Rock-Lied Rocky Mountain High, vermittelten eine bodenständige kulturelle Eigenart, von der sogar Ausländer wie wir sofort beeindruckt und berührt waren.”
Der Höhepunkt des Abends war das Lied „Ich liebe das Tor des himmlischen Friedens in Peking“ (Wo ai Beijing Tian’anmen), auf Chinesisch gesungen von 200 amerikanischen Schulkindern. Nach der Vorführung kamen Deng und seine Frau Zhuo Lin auf die Bühne, um die Kinder zu umarmen und zu küssen. Präsident Jimmy Carter schrieb in sein Tagebuch: “There was a genuine sense of emotion when he [Deng] put his arms around the American performers, particularly little children who had sung a Chinese song … Deng and his wife genuinely seemed to like people, and he was really a hit with the audience present and also the television audience.”
Der kulturelle Austausch zwischen China und der USA seit den frühen 70er Jahren hatte die Aufnahme diplomatischer Beziehungen vorbereitet und möglich gemacht. Der eigentliche Durchbruch war die Ankunft von Präsident Nixon am 21. Februar 1972 in Beijing. Während dieses Besuches bot die chinesische Regierung die beiden Pandabären Lingling und Xingxing dem amerikanischen Volk als Geschenk an. Das Pandapärchen übersiedelte in den National Zoo von Washington D.C.
Bald nach Nixons Chinabesuch reiste eine chinesische Akrobatentruppe als Kulturbotschafter durch die Vereinigten Staaten. Viele einfache Amerikaner erhielten durch diese erstaunlichen Vorstellungen während der Ära der „Ping-Pong-Diplomatie“ einen bleibenden Eindruck von China.
1973 tourte das Philadelphia Orchestra in China und spielte vor über 8800 Menschen.
Im Januar 1979 wurde die Vereinbarung über kulturellen Austausch von Vertretern beider Staaten unterschrieben, als seines der drei wichtigsten Dokumente in der Aufnahme diplom,atischer Beziehungen. Dadurch wurde ein Rahmen für Kommunikation sowohl auf Regierungsebene, als auch auf anderen Ebenen geschaffen.
Beschleunigte Beeinflussung
In den späten 80er Jahren intensivierte sich der kulturelle Austausch. 1987 wurde der amerikanische Film Breakin’ in China gezeigt. Die beiden 17jährigen Tänzer Ou Yang und Deng Ouge gewannen bald darauf mit ihrem Team die nationale Meisterschaft im Break-Dance. Zwei Jahre später gründeten die beiden die Rockband Miankong (The Face), die auch auf dem Anthologie-Album Zhongguo Huo (Chinesisches Feuer) vertreten ist.
Neben Breakdance war auch die Einführung von amerikanischen Fast Food symptomatisch für die Veränderung des urbanen Lebensraums. Am 12. November 1987 wurde Chinas erstes Kentucky-Fried-Chicken-Restaurant (KFC) an der Qianmen-Straße in Beijing eröffnet. Trotz frostigen Wetters warteten viele über eine Stunde auf ihre ersten amerikanischen gebratenen Hühner. Die Manager des Restaurants wandten sich sogar an die Polizei um Hilfe.
Noch weitere Ereignisse im Jahr 1987 wurden in den Medien als Meilenstein im chinesisch-amerikanischen Kulturaustausch bezeichnet. Die US-Firma Hasbro autorisierte damals die Guangzhou Baiyunshan Toy Factory zur Produktion der Action-Figuren der “Transformers“. Und das Shanghaier Audio- und Videostudio und Shanghai TV synchronisierten gemeinsam 95 Folgen der Fernsehserie Transformers. Als die Serie Ende 1987 ausgestrahlt wurde, sammelten sich viele Millionen chinesischer Kinder vor Schwarz-Weiß-Fernsehern und verfolgten die Abenteuer der Maschinenhelden.
Zwanzig Jahre später wurde der Film Transformers, der menschliche Schauspieler und computergenerierte Darsteller verbindet, schon wenige Tage nach seinem US-Debüt in den chinesischen Kinos gezeigt.
In den 90er Jahren intensivierte sich die Adaption amerikanischer Popkultur in China. Das Fernsehdrama Beijingers in New York (1992) erzählte die Geschichte einer Gruppe von chinesischen Emigranten in einer Weise, die als neuartig empfunden wurde. 1994 war der Film The Fugitive mit Harrison Ford ein großer Kinohit in China. Darauf wurden regelmäßig Hollywood-Produktionen importiert. 1998 spielte Titanic 360 Millionen Yuan ein.
Im Jahr 2000 wurde von China aus eine große Kulturkampagne in neun Städten der USA gestartet, darunter auch New York und Washington D.C. Es war die Zeit des Millenium-Gipfels der UNO. Dem amerikanischen Volk sollte dabei nicht nur traditionelle Kultur, sondern auch moderne Kunst aus China vorgeführt werden. Amerikanische Zeitungen bezeichneten diese Goodwill-Tour als „Dialog der Künste, aber auch der Seelen“.
Zeichen von Synergy
In den letzten 30 Jahren hat sich der Kulturaustausch zwischen China und der USA enorm vergrößert und intensiviert. Schon längst dominieren dabei nicht mehr offizielle, sondern kommerzielle und industrielle Formen. Ein Höhepunkt des Jahres 2008 war dabei, wie gesagt, der 130 Millionen Dollar teure Film Kung Fu Panda, der Ende Juni in die chinesischen Kinos kam. Die Landschaftsbilder und die Saga des Helden wurden als Amalgam von chinesischen und amerikanischen Elementen verstanden und allgemein enthusiastisch konsumiert.
Eine Online-Umfrage des Magazins Newsweek ergab die folgende Liste der beliebstesten kulturellen Symbole aus China: Die chinesische Sprache und Schrift, die Verbotene Stadt in Beijing, die Große Mauer, die Gärten von Suzhou, Konfuzius, Taoismus, das Buch der Kriegsführung von Sun Zi, die Terrakotta-Krieger und –Pferde, die Grotten von Dunhuang, die Tang-Dynastie, Seide, Porzellan, Peking-Oper, der Shaolin-Tempel und chinesische Kampfkünste, der Affenkönig Sun Wukong aus dem klassischen Roman „Reise nach dem Westen“, der Himmelstempel in Beijing, der Vorsitzende Mao, Akupunktur und chinesische Küche. Die 20 beliebtesten amerikanischen Kultursymbole in China waren im selben amerikanischen Magazin die Wall Street, Broadway, Hollywood, McDonald’s, NBA, Coca-Cola, Hilton, Marlboro, Disney, das Silicon Valley, die Universität Harvard, der Thanksgiving Day, Superman, die Freiheitsstatue, Barbie, das Weiße Haus, amerikanischer Football, Jazz, Starbucks und Wal-Mart.
Heute gibt es so viele chinesisch-amerikanische Kulturkontakte wie nie zuvor. Immer wieder trifft man einen Amerikaner, der fließend Chinesisch spricht, einen NBA-Basketballspieler auf der Großen Mauer, eine Barbie-Puppe in traditionellem chinesischem Gewand und chinesische Kinder, die bei McDonald’s oder KFC Coca-Cola trinken und amerikanische Fernsehwerbung sehen. Diese bühende kulturelle Kommunikation zwischen den beiden Nationen, aber auch zwischen China und vielen anderen Kulturen wurde nicht zuletzt auch im Titel des Eingangslieds der Olympischen Spiele 2008 in Beijing ausgedrückt: “We are one family.”