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2008 war ein besonderes Jahr, gleich von Anfang an. Vieles wird man nicht so leicht vergessen. Erst kam der schwerste Schneesturm in Südchina seit 50 Jahren. Und im Mai war das schlimmste Erdbeben in China seit 1976. Im August fanden zum ersten Mal in China die Olympischen Spiele statt. Ende September gelang der erste chinesische Weltraumspaziergang. Im Herbst wurden die Nachrichten vom Melamin-Skandal in der Milchindustire dominiert, und von der weltweiten Finanzkrise. Es war das 30. Jahr der Öffnungs- und Reformpolitik.
Schneesturm im Süden
Zuerst schneite und stürmte es in Hunan, dann in Guizhou, dann auch in Anhui, und sogar in der Provinz Guangdong, nicht weit von Hongkong. Ab dem 10. Januar herrschten bald in 19 Provinzen blizzardhafte Bedingungen. In der Metropole Guangzhou (Kanton) strandeten über eine Million Fahrgäste und konnten nicht zu ihren Familien, um das Frühlingsfest mit ihnen zu feiern. Die Wasser- und Stromversorgung war vielerorts unterbrochen. Lebensmittel und andere wichtige Produkte wurden plötzlich sehr teuer. In ganz Südchina, wo es in den meisten Gegenden praktisch nie schneit, war es die schlimmste Schneekatastrophe in einem halben Jahrhundert. Transport, Kommunikation und das tägliche Leben aller Bürger in diesen Regionen waren massiv betroffen. Das Innenministerium in Beijing reagierte sofort mit mehreren Notmaßnahmen.
Präsident Hu Jintao und Premierminister Wen Jiabao setzten zusammen mit den zuständigen Beamten in den Ministerien und Kommissionen alle Hebel in Bewegung. Die Soldaten der Volksbefreiungsarmee arbeiteten unermüdlich. Dank ihrer Anstrengungen konnten die Schäden in allen Bereichen weitgehend behoben werden.
Du Dengyong: “Auch wenn ich durch den Schnee kriechen muss, ich werde sie finden!”
Entlang der schneeverwehten Autobahn von Beijing nach Zhuhai entstand eines Tages eine lange Fußspur. Ein junger Mann suchte seine Freundin. Sie war 400 Kilometer entfernt von ihm im Schneesturm gefangen. Der Name des Mannes war Du Dengyong. Er stammte aus Hunan und arbeitete in Shenzhen bei Hongkong. Bei minus 2 Grad Celsius schritt er insgesamt über 16 Stunden durch den Sturm. Dabei trug er nicht mehr als zwei einfache Jacken und aß in zwei Tagen nur eine einzige Mahlzeit. Er verlor das Gefühl in seinen Füßen, seine Kleider wurden steif vor Frost, und seine Haare waren weiß. Einmal wurde er ohnmächtig, aber er wachte wieder auf und ging weiter. Schließlich schaffte er es zu seiner Freundin, und obwohl sich die beiden bald nach dem Frühlingsfest trennten, blieb seine Geschichte als Beispiel für den erfolgreichen Kampf gegen die Katastrophe im Gedächtnis vieler Menschen.
Zwei Kongresse: Harmonie und Demokratie
Im März 2008 wurden die jährlichen Sitzungen des Nationalen Volkskongresses und der Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes in der Großen Halle des Volkes in Beijing abgehalten. Die Abgeordneten wählten eine neue Generation von Führungspersönlichkeiten für ganz China. Außerdem verabschiedeten sie einen umfassenden Plan zur Restrukturisierung wichtiger Institutionen in der sozialen Verwaltung. “Diese Reform zielt auf eine Umorientierung der Beziehungen zwischen Regierung und Staatsbürger sowie zwischen Markt und Gesellschaft ab”, meinte ein damit befasster Gelehrter.
Die Sitzungen von 2008 wurden gegenüber früheren Jahren als demokratisch beschrieben, weil mehr Abgeordnete aus verschiedenen sozialen Bereichen und Altersklassen teilnahmen, zum Beispiel gab es auch Vertreter der Wanderarbeiter. Die Lebenshaltungskosten der Menschen in ärmlichen Verhältnissen war außerdem eines der Hauptthemen.
Hu Xiaoyan: “Ich vertrete 200 Millionen Menschen.”
Am 5. März saß Hu Xiaoyan, die erste Wanderarbeiterin in der Geschichte des Nationalen Volkskongresses, zusammen mit 2986 anderen Deputierten in der Großen Halle des Volkes. Sie hörten den Bericht zur Arbeit der Regierung, den Premierminister Wen Jiabao vortrug, und diskutierten darüber.
Während des Kongresses brachte Hu mehrere Vorschläge zur Garantierung der Rechte und Interessen von Arbeitsmigranten ein. Premierminister Wen zeigte sich von ihrer engagierten Arbeit stark beeindruckt.
Aufstand in Lhasa: Ordnung wiederhergestellt
Am Morgen des 14. März 2008 waren die Bürger von Lhasa auf dem Weg zu Schulen und Arbeitsstellen. Plötzlich begann eine Gruppe von Randalierern mit gewalttätigen Angriffen gegen Geschäfte und Institutionen, aber auch gegen einfache Menschen. Sie plünderten und legten Feuer. 18 unschuldige Zivilisten kamen ums Leben, und der Verlust an Eigentumswerten belief sich auf 250 Millionen Yuan.
Qiangba Puncog: “Kein demokratisches Land könnte derartige Gewaltakte tolerieren!”
Nach den Unruhen vom 14. März sagte der Vorsitzende der Regierung der Autonomen Region Tibet, Qiangba Puncog: “Tibeter sind allgemein als freundlich, einfach und ehrlich bekannt. Als Tibeter muss ich mich für die Gewalttäter schämen, die vorgeben, im Namen unserer nationalen Interessen zu handeln. Sie haben es nicht geschafft, die Ordnung im Großen zu stören. Ich war jedoch von den Darstellungen in manchen westlichen Medien und von Seiten der Unterstützer des Dalai Lama empört. Sie sprachen immer nur von vorhergehenden friedlichen Demonstrationen, von den Opfern der Niederschlagung von Protesten und von nachfolgenden Verhaftungen, als ob es gar keine gewaltsamen Unruhen gegeben hätte. Unsere legalen Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ordnung wurden als Unterdrückung hingestellt. Aber welches demokratische und rechtsstaatliche Land auf der Welt würde es tolerieren, wenn bei Gewaltaktionen auf der Straße unschuldige Menschen verletzt und getötet werden?”
Manche haben keine Beine und können trotzdem das drei- bis vierfache ihres Gewichtes heben. Andere leben im Dunkel und laufen dennoch schnurgerade die Bahn entlang. Wieder andere haben nur einen Arm und ein Bein, aber sie schwimmen wie ein Fisch. Vom 7. bis 17. September 2008 nahmen über 4000 behinderte Sportler aus aller Welt an den Paralympischen Spielen in Beijing teil.
Bei Einzug ins Nationale Stadion hielten die Sportler Schilder mit “Ni hao, Beijing” und “Thank You China”. Philip Craven,der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees, beschrieb das Lächeln der Zuschauer als “warm und herzlich”.
Hou Bin: “Der olympische Geist gibt mir Kraft!”
Der chinesische Rollstuhlsportler Hou Bin zog sich mit den Händen an einem Seil hinauf zur großen Schale und entzündete dort die olympische Flamme mit seiner Fackel. Diese Leistung rührte viele im Publikum zu Tränen. Hou Bin hat mit neuen Jahren ein Bein verloren. Dennoch bleibt er optimistisch und zuversichtlich. “Der olympische Geist macht mich stärker und stärker”, sagte er.
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Der Papiertiger
Am 29. Juni 2008 erklärte die Provinzregierung von Shaanxi die kontroversiellen Tigerfotos von Zhou Zhenlong offiziell als gefälscht.
Am 12. Oktober 200z hatte die Provinzforstverwaltung die Nachricht verbreitet, dass Zhou Zhenlong, ein Bauer aus dem Kreis Zhenping, am 3. Oktober in der Provinz einen wilden Tiger fotografiert hatte. Mehrere Fotos wurden veröffentlicht, und der Bauer bekam eine Belohnung von 20.000 Yuan.
Seit über 20 Jahren war kein Südchina-Tiger in Freiheit gesichtet worden. Deshalb wurden diese historischen Fotos sogar im amerikanischen Magazin Science abgedruckt.
Doch bald regte sich Misstrauen. Am 19. Oktober 2007 erklärte Fu Dezhi, ein Botaniker an der Akademie der Wissenschaften in Beijing, er sei 100 Prozent sicher, dass die Fotos gefälscht seien.
Erst am 3. April 2008 begann die Polizei in Shaanxi mit Ermittlungen. Eine gründliche Untersuchung der Fotos ergab, dass darauf immer dieselbe eng umgrenzte Gegend zu sehen war, in der es kaum größere Bäume gab. Das ließ daran zweifeln, dass hier ein Tiger sein Jagdgebiet habe. Dann untersuchte man die Entfernungen in den Bildern. Nach den Proportionen zwischen dem “Tiger” und den Blättern der Bäume hätte das Tier nur 27 Zentimeter lang und 35 Zentimeter dick sein können. Außerdem fand man heraus, dass Zhou die Fotos aus einer Entfernung von 3,9 – 10,5 Meter aufgenommen hätte.
Zhou Zhenglong: “Ich bin nur ein einfacher Bauer.”
Im Jahr 2006 arbeitete Zhou als Fährtensucher für das provinzielle Tigersuchteam. Dabei hörte er, dass man für Fotos von Fußspuren, Kot- oder Fellspuren eines wilden Tigers tausende Yuan an Belohnung erhalten könne, das ist mehr als viele Bauern im Jahr verdienen. Und wenn man gar einen ganzen echten Tiger fände, könne man mehr al seine Million bekommen.
Zhou borgte sich Tigerfotos von den Türpostern zum Frühlingsfest. Er faltete und klebte die Bilder, bis man nur noch den Tiger sah, und legte sie ins Gras. Leider hatte er nur eine ganz einfache Kamera und brachte deshalb zunächst keine guten Bilder zustande. Später fand er einen relativ flachen und ansprechend bewachsenen Platz im Wald, mit vielen Blättern am Boden. Dorthin setzte Zhou seinen Papiertiger und machte mit einer geborgten Digitalkamera seine aufsehenerregenden Fotos.
Zhou Zhenglong wurde zu zweieinhalb Jahren verurteilt, die Strafe wurde für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.
Fußballnationalmannschaft: Hoch verloren
Alle hatten gehofft, dass 2008 endlich ein gutes Jahr für den chinesischen Fußball sein würde.
Aber leider wurden sowohl das reguläre Herren-Nationalteam, als auch die olympische Mannschaft und die Unter-21-Mannschaft bei allen wichtigen internationalen und interkontinentalen Wettkämpfen geschlagen. Sogar die Damenteams, die früher zur Weltspitze gehört hatten, verloren 2008 alle Spiele. Fußball ist ein populärer Sport in China, aber die Fans wurden heuer schwer enttäuscht, auch in der heimischen Liga. Da gab es mehrere Skandale, die Rufe nach Reformen und Rücktritten laut werden ließen.
Xie Yalong: “Vielleicht muss ich wirklich zurücktreten!”
Xie Yalong ist der ausführende Vorsitzende des chinesischen Fußballverbandes. Nach den jüngsten internationalen Misserfolgen verlangten immer mehr Fans im Nationalen Stadium (Vogelnest) und im Internet seinen Rücktritt. Xie wird oft vorgeworfen, dass er keinen Fußball-Hintergrund habe und diesen Posten erst gar nicht antreten hätte dürfen.
In den vier Jahren seiner bisherigen Amtszeit wurden die Trainer des Herren- und des Damen- Nationalteams zehn Mal ausgewechselt. Die Ergebnisse von 2007 waren bereits so schlecht, dass Xie unter Druck geriet, aber 2008 wurde noch viel schlimmer.
Am 4. November 2008 unterzeichneten Chen Yulin, Vertreter des chinesischen Festlandes, und Chiang Pin-Kung, Vertreter der taiwanesischen Organisation für den Kontakt mit dem Festland, vier wichtige Übereinkommen, die auf fruchtbaren vorhergehenden Gesprächen beruhten.
Aufgrund dieser Vereinbarungen wird ein regelmäßiger direkter Fugverkehr in beiden Richtungen zwischen Taiwan und dem Festland eingerichtet. Auf beiden Seiten der Straße von Taiwan werden wichtige Häfen für den direkten Verkehr geöffnet. Es wird endlich direkten Postverkehr geben. Außerdem hat man sich darauf geeinigt, wie man in Zukunft gemeinsam Lebensmittel überprüfen und Skandale wie die jüngsten Milchproduktevergiftungen vermeiden bzw. Möglichst entschärfen kann. Alle diesen Maßnahmen sollen den friedlichen Kontakt zwischen den beiden Seiten intensivieren und dadurch allen Menschen in Taiwan und auf dem Festland nützen.
Chen Yunlin: “Es war ein historischer Augenblick”
Am 3. November 2008 betrat die von Chen Yunlin angeführte Delegation des Festlandes um 11:58 taiwanischen Boden. Es war der erste Besuch des höchsten zuständigen Beamten des Festlandes und die erste große und wichtige Delegation seit 1949, die die Insel erreichte.
Shenzhou VII: Chinas erster Weltraumspaziergang
Am 25. September 2008 um 21:10 hob die Rakete mit der Raumfähre Shenzhou VII aus der Wüste am westlichen Ende der Großen Mauer ab und entschwand in den Himmel. Am 27. September um 16:41 stieg der Taikonaut Zhai Zhigang aus der Kapsel und absolvierte erfolgreich mehrere extravehikuläre Aktivitäten. Damit wurde China nach den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion die dritte Nation, die einen Weltraumspaziergang bewerkstelligt hat.
Zhai Zhigang: “Es ist ein herrliches Gefühl!”
Um 16:41 am 27. September 2008 stieg Zhai Zhigang in einem chinesischen Raumanzug aus der Kapsel. Sein Kollege Liu Boming reichte ihm die chinesische Flagge hinaus und fotografierte Zhai damit vor dem Hintergrund der Erde. Darauf lehnte sich Zhai langsam zu einer Probe mit Schmiermittel, die an der Außenseite der Kapsel angebracht war, und reichte sie in die Kapsel hinein. Danach begann er die Kapsel mithilfe von Haltegriffen zu umrunden. Um ca. 17 Uhr kehrte Zhai in die Kapsel zurück. Er hatte 9165 Kilometer im Weltraum mit einer Geschwindigkeit von 7,8 km pro Sekunde zurückgelegt, 343 Kilometer von der Erde entfernt.