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Der Stammbaum eines Dorfes
Text und Fotos: Bao Shengying

Im Jahre 1976 hat der afroamerikanische Schriftsteller Alex Haley seinen bekannten Roman „Roots: The Saga of an American Family“ veröffentlicht. In diesem Roman wird geschildert, wie  Kunta Kinte, ein schwarzer Afrikaner aus einem Dorf am Ufer des Gambia-Fluss, als Sklave in die USA verkauft wurde. Später wurde nach diesem Roman ein Fernsehfilm gedreht, der dazu führte, dass sich viele amerikanische Schwarze als Afro-Amerikaner fühlten und nach ihrem Ursprung suchten.

 In China legt man seit langem großen Wert auf seine Familiengeschichte. Der historischen Überlieferung zufolge gab es schon in der Song-Dynastie (960-1279) Stammbäume. Mit der Verbesserung der Lebensbedingungen haben heute viele Dörfer, deren Einwohner den gleichen Familiennamen haben, gegonnen, ihre Stammbäume zu schreiben. Ein Beispiel dafür ist das Dorf Pingzou.

Pingzhou ist ein Bergdorf. Es liegt in der Gemeinde Daping des Kreises Anxi der Provinz Fujian. In der Geschichte ist diese Gegend durch den Oolong-Tee landesweit bekann geworden. Auch heute beschäftigen sich viele örtliche Einwohner mit dem Teeanbau oder dem Teehandel.

  Heute leben in diesem Dorf insgesamt 5000 Menschen. Fast alle Dorfbewohner tragen den Familiennamen Zhang. Der historischen Überlieferung zufolge stammen ihre Vorfahren aus den Provinzen Shandong und Henan: Im Jahre 420 während der Jin-Dynastie kam ein Beamter namens Zhang Wei seiner Familie nach Anxi. Im Jahre 886 während der Tang-Dynastie ließ sich Zhang Lin, ein Händler aus Henan, mit seinen Familienangehörigen ebenfalls in Anxi nieder. Das Dorf Pingzhou entstand erst am Anfang der Qing-Dynastie und hat also eine Geschichte von mehr als 360 Jahren. Im Verlauf der Jahrhunderte verließen viele Angehörigen der Zhang-Familie ihre Heimat und siedelten sich in anderen Landesteilen des Festlandes, in Hongkong, Macao und Taiwan sowie in vielen Ländern Südostasiens an.

In der Geschichte haben die Bewohner von Pingzhou insgesamt 6-mal ihren Stammbaum revidiert. Die letzte Revidierung wurde im Jahre 2008, hundert Jahre nach der 5. Revidierung,  beendet. Dafür wurden im diesem Dorf 7 Tage dauernde verschiedene Feierlichkeiten veranstaltet, an denen neben den örtlichen Einwohnern auch viele Nachkommen der oben erwähnten Umsiedler teilnahmen. Einen Tag vor dem Beginn der Feierlichkeiten kamen alle Dörfler, festlich gekleidet, zum renovierten Ahnentempel des Dorfes, um dort ihrer Vorfahren zu gedenken. Während der Feierlichkeiten wurden alle Wohnhäuser mit roten Laternen geschmückt und fanden verschiedene Kulturveranstaltungen wie Aufführungen der Gezai-Oper aus Xiamen und  der Gaojia-Oper aus Quanzhou statt.

Diese Feierlichkeiten umfassten eine buddhistische und eine taoistische Zeremonie. Die  buddhistische Zeremonie wurde an den ersten drei Tagen unter Anleitung von 9 Laienmöchen im Ahnentempel gehalten und von einer 4-köpfigen Musikkapelle begleitet.

Am vierten Tag wurde ein Bankett mit gut hundert Tischen für Ehrengäste gegeben.

An den letzten drei Tagen fand die taoistische Zeremonie, die von drei Daoisten geleitet wurde, ebenfalls im Ahnentempel statt,. Auf dem Opfertisch standen Statuen von taoistischen Gottheiten. Am Ende dieser Zeremonie wurde der neu revidierte Stammbaum, in den die Namen aller Angehörigen der Familie Zhang aufgenommen wurde, vor diese Statuen gelegt, als Beweis, dass all diese Menschen bei diesen Gottheiten im Gunst stehen können.

Die Kosten dieser Zeremonien kammen aus den Spenden der reicheren Dorfbewohner und der in Hongkong, Macao und Taiwan sowie im Ausland lebenden Nachkommen der ehemaligen Zhang-Familie.

 

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