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Am Ufer des Pangshan-Sees innerhalb des Marktfleckens Songling bei Wujiang, einer Kreisstadt nahe der Stadt Suzhou in der Provinz Jiangsu, gibt es eine neue Gartenanlage mit dem Namen Jingsiyuan (Garten des Ruhigen Denkens), die in mancher Hinsicht mit dem Garten Zhuozhengyuan (Garten des Demütigen Politikers) in Suzhou und dem Sommerpalast Yiheyuan in Beijing vergleichbar ist.




Diese Gartenanlage wurde von Chen Jingen, einem örtlichen erfolgreichen Privatunternehmer, gebaut. Chen Jingen wurde im Jahre 1954 in eine Bauernfamilie des oben erwähnten Marktfleckens geboren. Da seine Heimat nicht weit von Suzhou entfernt liegt, sollte er Gelegenheit haben, die berühmten Gartenanlagen dieser Stadt zu besichtigen. Aber wegen der Armut der Familie konnte er erst im Alter von 8 Jahren zusammen mit seinen Eltern zum ersten Mal den Zhuozhengyuan-Garten in Suzhou besichtigen. Als er aus diesem Garten kam, sagte er zu seinem Vater: „Vati, ich will auch so einen prächtigen Garten anlegen, wenn ich erwachsen bin!“ Damals antwortete der Vater ihn nur mit einem Lächeln. Er konnte nicht wissen, dass der Traum seines Sohnes 30 Jahre später in Erfullung gehen würde.
Als Mittelschüler musste Chen Jingen die Schule unterbrechen und seinem Vater beim Ackerbau helfen. Dank der Reform und Öffnung konnte der junge Chen aber einen Handel mit Textillien und chemischen Produkten betreiben. Im Jahre 1973 gründete er eine Werkstätte zur Herstellung von Hartglas, die sich bis heute zu einer großen Unternehmensgruppe entwickelt hat.
Im Jahre 1988 begann Chen Jingen mit Vorbereitungen für den Bau seines Gartens. Dafür begab er sich mehrmals in die umliegenden Gebiete und Städte wie Shanghai und Suzhou und Wuxi, um dort Bauelemente wie Fenster, Türen und Balken von den abgerissenen alten Bauten zu sammeln. Darüber hinaus reiste er mehrmals nach Anhui, Guangxi und in anderen Provinzen und kaufte dort insgesamt über 3000 pittoresk geformte Steine, darunter Lingbi-, Taihu, Liuzhou- und Kun-Steine. Unter diesen Steinen gibt es einen 9,1 m hohen, etwa 3 m breiten und 2,2 m dicken und 136 Tonnen schweren Steinblock, den Chen Jingen im Jahre 1998 mit 40 000 Yuan RMB im Kreis Lingbi der Provinz Anhui gekauft hat. Dieser Steinblock lag anfangs drei Meter unter der Erdoberfläche. Um ihn herauszuholen, beschäftigte Chen Jingen über 60 Steinmetze. Dank der dreijährigen Bemühungen dieser Steinbrecher wurde dieser Steingigant endlich aus der Erde herausgezogen. Aber es war auch sehr schwirig, ihn nach Wujiang zu transportieren. Dafür wurde ein 25 m langer Zugwagen (拖车) mit 300 000 Yuan RMB aus Russland importiert. Ferner wurden zwei 150-t-Kräne eingesetzt sowie eine 5 km lange Straßenstrecke und 3 Brücken gebaut. In 55 Tagen wurde dieser Steinblock erfolgreich nach Wujiang transporiert. Dieser Steinblock hat über 1600 natürliche Löcher. Gießt man Wasser auf ihn, so sieht er wie unzählige Wasserfälle aus. Klopft man auf den Stein mit der Hand, gibt er wohlklingende Töne von sich. Daher wurde dieser Steinblock mit dem Namen „Qingyunfeng“ ins Guiness-Buch aufgenommen.
Die Bauarbeiten begannen im Jahre 1993 und dauerten gut zehn Jahre. Der Garten Jingsiyuan wurde von berühmten Architekten aus Suzhou und Shanhgai entworfen und von der Baugesellschaft Xiangshan der Stadt Suzhou gebaut. Am 11. September 2003 wurde dieser Garten für Touristen eröffnet. Seither zieht er immer mehr in- und ausländische Besucher an. Heut sieht man in diesem 66 Mu (15 Mu = 1 ha) großen Garten verschiedene Anlagen wie Pavillons, Lauben, Wandelgänge, Bogenbrücken und Hallen im traditionellen chinesischen Stil. Nach dem Plan wird dieser Garten noch auf 120 Mu (80 ha) erweitert. Die Bauarbeiten der zweiten Bauphase haben schon begonnen.
Vor kurzem besuchte ich Chen Jingen. Auf meine Frage, aus welchem Grund er als Privatunternehmer diesen Garten gebaut hat, anwortete er: „Aus der Liebe zu meiner Heimat und zur Gartenbaukunst Suzhous. Darüher hinaus will ich mit meinem Eigentum einen Beitrag für die Gesellschaft leisten.“