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Der Somalia-Einsatz: Die chinesische Marine im Kampf gegen Piraterie
Text: Duan Wei

Der 26. Dezember war ein historischer Tag für die Flotte Chinas. An diesem Tag starteten mehrere Schiffe von Sanya auf der Insel Hainan aus ihre Fahrt nach Somalia, um dort Handelsschiffe vor Piraten zu schützen. Es ist der erste humanitäre Übersee-Einsatz der chinesischen Marine.

4400 Seemeilen – der erste chinesische

Einsatz zum Schutz einer Handelsroute

      Die immer frecheren Angriffe von Piraten vor der Küste Somalias haben in den letzten Monaten internationale Reaktionen hervorgerufen. 11 Länder der NATO und 6 andere Staaten haben bereits Marinekontingente entsandt, um die Piraten zu bekämpfen. Am 13. November 2008 wurde das chinesische Fischerschiff Tianyu 8 entführt, und am 17. Dezember wurde das Schiff Zhenhua 4, das der Firma China Communications Construction gehört, angegriffen. Am 23. Dezember 2008 veranstaltete das chinesische Verteidigungsministerium eine Pressekonferenz. Sprecher Huang Xueping sagte, der UNO-Sicherheitsrat habe in mehreren Resolutionen alle Nationen dazu berechtigt, aktive Maßnahmen zum Schutz ihrer Schiffe vor den Piraten zu unternehmen, zugleich habe auch die Regierung von Somalia alle betroffenen Länder aufgerufen, die Piraten in den somalischen Gewässern zu bekämpfen. Auch der somalische Botschafter in China habe einen solchen Wunsch geäußert. Darauf habe die chinesische Regierung die Entsendung von Schiffen, Hubschraubern und Soldaten beschlossen.

Am 26. Dezember verließen die mit Lenkraketen bestückten Zerstörer Wuhan und Haikou den Hafen, in Begleitung des Versorgungsschiffes Weishanhu und zweier Hubschrauber vom Typ K-28. Die Besatzung umfasste 800 Soldaten und Seeleute. Die Reise ging über 4440 Seemeilen durchs südchinesische Meer, die Straße von Singapur, die Straße von Malakka und den Indischen Ozean zum Golf von Aden.

Admiral Wu Shengli sagte, diese erste internationale Mission von chinesischen Kampftruppen auf dem Meer zum Schutz einer wichtigen Schiffverkehrsroute sei ein wichtiger Schritt für China, das dadurch seine Bereitschaft zur Wahrung nationaler Interessen und zur aktiven Teilnahme an der Erhaltung des Weltfriedens unter Beweis stelle.

Ursachen und Hintergrund

Die Piraterie vor der somalischen Küste ist das Resultat eines langjährigen Bürgerkriegs, der 1991 begann. In Somalia stehen verschiedene Gruppen unter Waffen, welche die Übergangsregierung oder andere Gruppen bekämpfen. Für den Waffenschmuggel brauchen sie viel Geld, und die Entführung von Schiffen für Lösegeld hat sich als eine sehr lukrative Einnahmequelle erwiesen. In den letzten beiden Jahren haben die Piraten nach internationalen Schätzungen über 30 Millionen US-Dollar an Lösegeld erhalten. Jeden Tag passieren tausende Schiffe den Golf von Aden auf dem Weg zum oder vom Roten Meer, da gibt es für die Piraten immer genug zu tun. Die französische Reporterin Véronique de Viguerie hat einen 39jährigen Piratenkapitän namens Hassan interviewt und fotografiert. Seine 350 Mann starke Truppe operiere schon drei Jahre und setze sich hauptsächlich aus Fischern und ehemaligen Soldaten zusammen. Die Fischer bringen ihre Erfahrungen auf dem Meer mit, und die ehemaligen Soldaten wissen, wie man mit Waffen umgeht. Außerdem gibt es junge Leute in der Truppe, die Computern und GPS verwenden.

Die chinesische Einsatztruppe

      Einsatzkommandant Du Jingchen sagte vor dem Auslaufen: „Ich habe volles Vertrauen, das wir diese Aufgabe gut bewältigen werden.“

Die drei entsandten Schiffe wurden alle in China mit chinesischer Technik hergestellt und mit fortschrittlichen Waffensystemen ausgestattet. Sie haben sich in vielen Manövern und auf langen Übungsfahrten ausgezeichnet bewährt. Ein digitales Netzwerk und ein automatisches Kontrollsystem ermöglichen ein selbstständiges operieren und einen hohen Grad an Selbstüberwachung. Die chinesische Flotte hat in mehreren Jahrzehnten viel Erfahrung auf den Weltmeeren gesammelt. 1985 besuchten der Lenkwaffenzerstörer Hefei und das Versorgungsschiff X615 mehrere Länder in Südasien. 2002 unternahmen der Lenkwaffenzerstörer Qingdao und das Versorgungsschiff Taicang eine Weltumfahrung.

Über 70 eigens ausgebildete Marinesoldaten sind der Kern der Kampftruppe. Laut Kommandant Xie Zengling hat diese Elitetruppe die Aktivitäten der somalischen Piraten schon im Vorfeld studiert und ihre Ausbildung darauf eingestellt. Die Soldaten seien Experten im Erstürmen von Schiffen, im Scharfschießen und im Gebrauch verschiedener Waffen.

Autorisierter Einsatz

Am 16. Dezember 2008 beschloss der UNO-Sicherheitsrat die Resolution 1851. Laut dieser Resolution seien auf Antrag der somalischen Übergangsregierung alle betroffenen Staaten und internationalen Organisationen 12 Monate lang berechtigt, in somalischen Gewässern geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Piraterie aufzuhalten. Dr. Li Junqian von der Chinesischen Universität für Recht und Politikwissenschaft sagte, jeder Staat, der gegen die somalischen Piraten vorgehe, müsse sowohl vom UNO-Sicherheitsrat, als auch von der Regierung Somalias dazu autorisiert sein. Auch der chinesische Einsatz erfolge erst nach dem Einholen dieser Genehmigungen. Der Sicherheitsexperte Prof. Meng Xiangqing von der Universität für Landesverteidigung betonte ebenfalls, die Entsendung des chinesischen Kontingents entspreche nicht nur internationalem Recht, sie erfolge darüber hinaus in Übereinstimmung mit mehreren UN-Resolutionen. Die Bekämpfung der Piraterie sei für die Erhaltung des Friedens in der Region und für den Schutz der internationalen Stabilität, sowie vor allem für die Sicherheit der Meeresverkehrsrouten von besonderer Bedeutung.

Die Aufgaben im Einzelnen

Am 25. Dezember 2008 teilte das Verkehrsministerium mit, dass ab dem 6. Januar chinesische Schiffe im Golf von Aden um Eskorthilfe ansuchen könnten.

Abteilungsleiter Ju Chengzhi vom Büro für internationale Kontake im Verkehrsministerium sagte, der chinesische Flotteneinsatz diene hauptsächlich zur Sicherung der internationalen Routen für chinesische Schiffe, darüber hinaus sei das chinesische Militär vor Somalia aber auch bereit, humanitäre Lieferungen der UNO zu beschützen. Dabei gehe es nicht um Geld, diese Dienste seien kostenlos.

Am 6. Januar um 11 Uhr vormittag lokaler Zeit kamen die chinesischen Schiffe in den Gold von Aden und begannen sofort mit der Eskortierung mehrerer chinesischer Handelsschiffe mit den Namen Hanihe, Jinhe, Hebei Aoxiang und Guanyin.

Internationale Reaktionen

Derzeit werden 97 Prozent der Aus- und Einfuhr von und nach China über das Meer abgewickelt. Im Jahr 2020 werden nach Schätzungen 60 Prozent des in China benötigten Öls mit den Schiff importiert werden. Die Sicherung der Meeresrouten ist deshalb für China von vitaler Bedeutung. Und militärische Einsätze zum Schutz von Handelschiffen sind heute nicht mehr das Privileg einiger weniger Staaten. Dennoch erregte der chinesische Übersee-Militäreinsatz international große Aufmerksamkeit.

Im südchinesischen Meer liegen einige Inseln, die nicht nur von China, sondern auch von benachbarten Staaten wie Vietnam, Malaysia, den Philippinen und Brunei beansprucht werden. Trotz dieser lokalen Konflikte meinte der philippinische Marinekommandant Ferdinand Golez, dieser Einsatz der chinesischen Flotte vor der afrikanischen Küste diene nur legitimen Interessen und stelle keine Bedrohung für die Philippinen dar. Und der indische Stratege C. Uday Bhaskar sagte: “Dieser chinesische Einsatz dient den Interessen der internationalen Gemeinschaft. Er stellt keine signifikante Änderung des militärischen Gleichgewichts im Indischen Ozean dar.“

Natürlich gibt es auch besorgte Stimmen. Denny Roi vom East-West-Center in Hawai befürchtet laut der Presseagaentur AP einen militärischen Wettlauf auf dem Meer zwischen der USA und China.

Dazu sagte der chinesische Militärexperte Chen Zhou, da der jetzige chinesische Einsatz ausschließlich dem Schutz von chinesisischen Schiffen und UNO-Schiffen diene, könne man keinesfals von einem generellen Ausbau der chinesischen Militärmacht auf den Weltmeeren sprechen. Und Chefredakteur Chen Hu von der chinesischen Zeitschrift „World Military Affairs“ schrieb: „Die Fortschritte bei der chinesischen Flotte bedeuten keine wie immer geartete internationale Bedrohung. Ihre Aufgaben liegen nach wie vor in der Bewahrung nationaler Interessen und in der Sicherung des internationalen Verkehrs.“

 

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