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Am 31. Dezember 2008 wurde in einer Sitzung des Staatsrats unter Vorsitz von Premierminister Wen Jiabao die Ausgabe von Lizenzen für 3G. (3. Generation) –Handys genehmigt. Am 7. Januar 2009 gab das Ministerium für Industrie und Informationstechnik (MIIT) drei Lizenzen an drei Unternehmen aus. Das größte Unternehmen, China Mobile, erhielt eine Lizenz für TD-SCDMA, den in China entwickelten 3G-Standard. Die anderen beiden Hauptversorger, China Telecom und China Unicom, erhielten Lizenzen für CDMA2000 bzw. WCDMA. Damit bekommen die chinesischen Mobiltelefonnutzer nach acht Jahren von Verhandlungen ab Anfang 2009 Zugang zur neuen Technik.
Was bedeutet 3G?
3G-Handys bieten viele neue Dienste, am wichtigsten sind sicher Breitband-Internet und mobiles Fernsehen.
Die erste Generation digitaler Mobiltelefone, die 1995 eingeführt wurde, bot ausschließlich die Übertragung der Stimme. Die zweite Generation brachte durch das GSM-Netz auch SMS und E-mail. 3G bringt nun wesentlich schnellere Datenübertragung und ein breites Multimedia-Angebot, mit echtem Internet-Zugang, Telefon-Konferenzen und Einkaufen bzw. Geschäftsabschlüsse über das Handy. “Die Einführung des 3G-Netzes ist eine technische Revolution”, sagte Professor Wang Jing vom Institut für Informationstechnik der Tsinghua-Universität. 3G-Netze können eine bis zu 40 mal schnellere Übertragungsrate liefern. Dadurch kann man viel mehr Mulitmedia als bisher senden, also Bilder, Musik und Video. Für die Konsumenten integrieren die neuen Handys viele neue Dienste wie Video-Anrufe, mobiles Fernsehen, Herunterladen von Musik, Online-Spiele, GPS-Navigation, online Einkaufen und Geld überweisen.
3G-Handys sind MP3- und MP4-Abspielgeräte und wirken als mobile Online-Spielkonsolen. Noch wichtiger sind für viele die Online-Banking-Funktionen. Der Benutzer kann sein Bankkonto mit seiner Handynummer verknüpfen lassen und so per Handy Rechnungen bezahlen.
Hunderte Millionen Yuan wurden in China in den Aufbau der bisherigen Handynetzwerke investiert. Doch weil die Technik in den Handys von außen kam, profitierten vor allem ausländische Firmen. Deshalb entwickelten chinesische Wissenschaftler mit Unterstützung der Regierung einen eigenen nationalen 3G-Standard. Im Mai 2000 erkannte die Internationale Telekommunikations-Union (ITU) drei große 3G-Standards an: den von China entwickelte TD-SCDMA, den europäischen WCDMA und den amerikanischen CDMA2000. Der TD-SCDMA ist Chinas erster international anerkannter Standard in der Fernsprechtechnik.
Danach versuchte man sich in China wiederholt an der Einführung des 3G-Mobiltelefongeschäfts. Durch technische und finanzielle Probleme kam es jedoch jedesmal nicht zum Durchbruch. Schlagzeilen wie “China gibt 3G-Lizenzen heraus” und “3G-Zeit endlich angebrochen” gab es seit 2000 zu Beginn jedes Jahres.
In der Zwischenzeit führten die chinesischen Telefondienste den PHS-Service und CDMA auf der Basis des sogenannten 2,5G-Netzes ein.
Am 12. Dezember 2000, als sich Beijing für die Sommerspiele 2008 bewarb, unterschrieb die Regierung ein Versprechen, während der Spiele 3G-Dienste anzubieten.
Um das Versprechen zu erfüllen, führte China Mobile TD-SCDMA in den Austragungsstädten bereits Anfang 2008 ein, mit 52.000 3G-Nutzern und einem funktionierenden 3G-Netzwerk. Laut Angaben von Yang Yichun, Direktor der technischen Abteilung im “Beijing Organizing Committee for the Games of the XXIX Olympiad” (BOCOG), verwendeten in der Eröffnungsnacht fast 7000 Menschen das TD-SCDMA-Netz und führten über 800 Video-Anrufe durch.
In den Jahren 2007 und 2008 hat sich 3G in vielen Teilen der Welt durchgesetzt. Über 100 Länder und Regionen haben 3G-Netze. Japan hat laut eigenen Angaben bereits 100 Millionen eingeschriebene 3G-Nutzer, und in den USA waren es bei der letzten Zählung auch immerhin 64,2 Millionen.
Trotz der weltweiten Finanzkrise erwartet man sich in China Gewinne von der 3G-Einführung. Sie soll die Konkurrenzstruktur des nationalen Marktes fördern und den Konsum stimulieren. Andererseits benötigt man für 3G eine gründliche Überarbeitung der vorhandenen Netze und muss viele Millionen Kunden dazu bringen, neue Handys zu kaufen.
Ende 2008 behauptete Informationsminister Li Yizhong, die Ausgabe der 3G-Lizenzen würde Investitionen von 200 bis 300 Milliarden Yuan verursachen. Bald darauf gaben die drei großen Unternehmen ihre Pläne bekannt. China Telecom will 80 Milliarden einsetzen, China Mobile rechnet mit 20 bis 30 Milliarden, und China Unicom möchte 40 bis 50 Milliarden ausgeben.
Chen Jinqiao, Vizechefingenieur im Telekommunikations-Forschungsinstitut des Informationsministeriums, äußerte sich optimistisch über die Rolle des 3G-Aufbaus bei der Konsumanregung. In fünf Jahren soll es in China 500 Millionen 3G-Benutzer geben, für die man Netze, Geräte und verschiedene Dienste in einer expandierenden industriellen Kette bereitstellen wird. Dadurch sollen Investitionen von 1,8 bis 2 Billionen Yuan angeregt werden.