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  • Volkskunst
Das kulturelle Erbe der Kleiderherstellung
Text und Fotographien von Yang Yibo

Indigoblaue Pflanzen werden gepflückt und gewaschen, bevor sie mit Kalkwasser gemischt werden, und dienen als Färbemittel für die Dong-Kleidung.

Die Pflanzen und das Kalkwasser werden zu einer Paste verrührt.

Die Dong-Tücher müssen erst vielmals klar gewaschen werden, bevor sie gefärbt werden können.

Ausländische Touristen sind an handgemachtem Dong-Tuch interessiert. In Folge der komplizierten und zeitintensiven Herstellungsweise ist der Preis für Dong-Tuch sehr hoch.

Dong-Mädchen diskutieren Webtechniken.

Die Vorbereitungen für das Weben.

Dong-Menschen in Festtagskleidung.

Alltagskleidung der Dong-Menschen.

Indioblaue Pflanzenblätter werden in Kalkwasser gegeben, um Färbemittel herzustellen.

Das Kleidungsstück wird ausgeschlagen, um einen klareren und helleren Farbeffekt zu erhalten.

Die fast vollendete Dong-Tücher.

Jeder Reisende, der in Chinas Provinz Guizhou kommt, wird von der vielfältigen und farbenprächtigen Kultur der dortigen Minderheiten angezogen. Im wunderschönen Gebiet Südost-Guizhous, leben 4 Millionen Menschen der Dong-Nationalität. Ihre speziellen Kleiderherstellungsmethoden sind als wertzuschätzendes kulturelles Erbe zu betrachten.

Wenn man die wunderbaren Wohnsiedlungen der Dong betritt, kann man an der Tür vieler Häuser indigo-blaue Tücher sehen, die bei Wind und Sonne trocknen. Sie werden nach einem traditionellen Webverfahren der Dong, komplett von Hand, hergestellt. Die speziell imprägnierten Tücher der Dong waren früher in der Siedlung das Kleidungsstück eines jeden Einwohners. Jedes dekorative Accessoire der Kleider wird aus diesem Stoff gefertigt. Die Frauen der Dong sind seit jeher für das Pflegen dieser Web- und Färbekunst berühmt. Gemäß den antiken Aufzeichnungen aus dem ,,Guizhou Tu Jing Xin Zhi“ wird überliefert, dass bereits in der Zeit des Kaisers Hongzhi während der Ming Dynastie (1486 n. Chr. – 1505 n. Chr.) die Kleider aus dem Gebiet der Dong-Nationalität bekannt waren. Bis zur Qing-Dynastie erreichten, die von den Dong Frauen selbst hergestellten Wolle und Kleider, schon einen hohen Bekanntheitsgrad. Hu Fengheng schreibt in seinem Gedicht ,,Li Ping Zhu Zhi Ci“ über die Kleider der Dong. Aus diesem geht hervor, dass diese nicht mehr nur für den Eigenbedarf produziert wurden, sondern bereits ein Produkt waren, das dem kaiserlichen Palast oft als Tributzahlung angeboten wurde.

Die Herstellung der Tücher für die Dong-Kleidung beginnt im Allgemeinen damit, dass die Familien auf ihren eigenen Feldern Baumwolle ernten, welche dann in dem Webverfahren zu Stoffen verarbeitet werden. Der indigo-blaue Farbstoff wird unter Verwendung eines bestimmten indigofarbigen Grases gewonnen. Unter Beimengung von Kalkwasser kann der Farbstoff extrahiert werden. Der Stoff wird in der Regel drei bis viermal gefärbt, nach jedem Vorgang findet eine Lufttrocknung statt. Nur so kann die tiefblaue Farbe erreicht werden. Im Anschluss werden die Schalen von Datteln, Kastanien, Zinnoberwurzeln und anderen Zutaten mit einem Mörser zerkleinert bis ein grüner Saft entsteht, in dem das Tuch gewaschen wird. Beim erneuten Waschen der Tücher mit indioblauer Farbe wird am Ende ein durchgehend blauer Farbton mit Roteinschlägen erreicht. Nach dem Trocken werden die Tücher aufeinander gehäuft. In der Folge werden sie über einen halben Monat lang mit Eiklar bestrichen und einem speziellen Holzhammer ausgeschlagen, bis sie einen strahlenden Farbton erreichen. Als letzter Arbeitsschritt wird durch das Behandeln mit einem Leim aus Rindersehnen der Farbton vor dem Verblassen geschützt. Der unterschiedliche Zeitrahmen der Handarbeit und des Ausschlagens ist ausschlaggebend für den Helligkeitsgrad, den die Farbe in den Tüchern später hat. Je heller der Farbton, desto teuerer das Tuch, da es mit der Intensität der körperlichen Arbeit der Dong-Frauen einhergeht.

Der Webvorgang wird von den Dong-Frauen sehr ernst genommen. Während der Arbeit ist es nicht gestattet, Wörter mit der Bedeutung Unordnung oder Durchreißen zu verwenden, denn das Verheddern des Garnes, sowie das Reißen des Fadens hat das Scheitern des Werkstückes zur Folge. In den 70iger bis 80iger Jahren des vorangegangenen Jahrhunderts, wurden die Spinn- und Webegeräte noch als Aussteuer an die eigenen Mädchen weitergereicht. Im Dong-Gebiet ehren die Menschen die Färbegefäße, es werden in der Regel keine unsauberen Dinge darauf abgelegt, sonst meinen die Leute, dass keine guten Tücher mehr daraus hervorgehen können. Nach dem traditionellen Bauernkalender findet in jedem Jahr am 19. Tag des 7. Monats das Gedenkfest zum Tode der Königin Mutter Niangniang statt. Wie gesagt, wird die Königin Mutter Niangniang eines Tages herabsteigen und spuken. Die dortigen Leute legen dann dicke alte Kürbisreben auf die Farbfässer. Sie glauben, dass wenn Niangniang die stachligen Reben berührt, sie Angst bekommt und nicht mehr wagt Unheil anzurichten. Nur so können noch weiterhin gute Tücher entstehen. Wenn der Tag vorübergegangen ist, können die Leute einen geeigneten Tag wählen, an dem sie wieder mit dem Tücher färben beginnen. Das Färben wird üblicherweise bis zum 12. Monat des Mondkalenders fortgeführt.

Jedes Dong-Tuch wird in den Händen von den alten Menschen in ein Dong-Kleidungsstück umgewandelt. Besonders zeitaufwändig ist die Herstellung von Röcken, wie sie die Mädchen tragen. In den Dong-Rock werden in Handarbeit hunderte feine Falten eingearbeitet. Für deren Haltbarkeit muss das Kleidungsstück sehr lange Zeit einem gewissen Druck ausgesetzt werden, damit daraus der Dong-Hundert-Falten-Mini-Rock wird. Ein solcher Rock braucht vom Fertigungsbeginn bis zur Vollendung ungefähr 6 Monate und unzählige Arbeitsschritte. Die sehr komplizierte Herstellung und der langwierige Prozess führen dazu, dass die meisten jungen Mädchen heutzutage keine Dong-Kleidung mehr herstellen und sogar das Handwerk nicht mehr beherrschen. Sie ziehen viel lieber die Freizeitkleidung aus den Städten an. Nur an Feiertagen wird noch die von Mutter hergestellte traditionelle Kleidung getragen. Die jungen Dong-Mädchen kochen die Kleidung oft einige Stunden zusammen mit einigen Stücken Kartoffelwurzel. Auf diese Weise wird die Kleidung weich und geschmeidig, zudem erhält sie einen helleren Rot-Ton.

Da die Dong-Frauen tagsüber in den Feldern arbeiten und am Abend die Hausarbeit zu erledigen haben, können sie nur die Zeit nach dem Essen und die Zeit, in der die Feldarbeit ruht, nutzen, um die Tuch- und Kleidungsherstellung zu betreiben. Ein Kleidungsstück wird von Hand hergestellt, benötigt über 10 Arbeitsschritte und ungefähr 6 Monate, deshalb soll es besonders wertgeschätzt werden. Dong-Leute tragen ihre traditionelle Kleidung ausschließlich an wichtigen Feiertagen. Es ist ihr wertvollstes Geschenk an hochgeachtete Gäste.

 

 

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