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Die großen Lieder der Dong sind ein essentieller Bestandteil der Dong-Nationalität. Im Unterschied zu den einzeln vorgetragenen Liedstücken gibt es Lieder, die von vier oder mehr Personen gesungen werden. Sie sind eine Art mehrstimmige, natürliche und harmonische Liedkomposition vorgetragen durch die Einwohner, welche ohne Dirigent und begleitenden Takt auskommt. Diese Lieder werden seit Tausenden von Jahren in dieser gebirgsartigen Umwelt, durch die in der Landwirtschaft tätigen Menschen der Dong-Nationalität, über die Generationen hinaus weitergepflegt. Das Imitieren von natürlichen Geräuschen der Vogel und Insekten sowie den Geräuschen der hoch gelegenen Gebirgsflüssen, macht eine weitere große Besonderheit in den Liedkompositionen aus. Ein Lied kann sehr kurz sein, es besteht dann nur aus 10 oder mehr Abschnitten. Ein langes Lied jedoch, kann aus einigen hundert Abschnitten bestehen.
Dong-Lieder können in verschiedene Kategorien eingeteilt werden, wie z.B. den „Trommelturm“ Werken, Liedern der „sanften Töne“ (kann auch als Lied der sanften Gefühle verstanden werden), epische Lieder, ethische Lieder u.v.m. Die Hauptinhalte der Lieder befassen sich mit der Natur, der Arbeit, Liebe und Freundschaft. In allen Dong-Siedlungen, in denen die Lieder verbreitet sind, kommt es kaum zu Streit, Beleidigungen, Diebstahl oder ähnlichem Verhalten.
Heutzutage sind die Dong-Lieder in der Provinz Guizhou, im Kreis Liping, hauptsächlich in den 4 Gebieten Congjiang, Rongjiang und Sanjiang sowie den angrenzenden Gebieten, vorzufinden. An jedem Festtag, besonderen Ereignissen sowie bei Treffen von anderen Nationalitäten, versammelt sich die Dong-Nationalität im Inneren der Trommeltürme (oder auf dem örtlichen Deich), um die Dong-Lieder zu singen. Wenn zu Alltagszeiten eine Gesangsgruppe einer anderen Siedlung einen Besuch abstattet, lädt die gastgebende Gesangsgruppe am Abend zum Singen in den Trommelturm ein.
Bei offiziellen Gesangsauftritten sitzen die Männer und Frauen der gastgebenden sowie der besuchenden Gesangsgruppe einander gegenüber. Die gastgebende Gruppe drückt zunächst gegenüber den Gästen, mit einem herzlichem Willkommen ihren Respekt aus. Die Gastgruppe antwortet mit dem Gesang „zur Ehre des Trommelturms“, um die Respekterweisung ihrerseits zum Ausdruck zu bringen. Wenn die beiden Lieder zur Wahrung der Etikette und der gegenseitigen Begrüßung beendet sind, beginnt die eigentliche Gesangsveranstaltung. Die Preisung des Trommelturms ganz am Beginn der Veranstaltung ist ein Bestandteil der Etikette, welcher nicht fehlen darf. Die Dong-Leute glauben, dass die Preisung des Trommelturms gleichbedeutend mit der Respektsbekundung gegenüber ihrem Erbauer und Besitzer ist. Die männlichen und weiblichen Sänger üben während ihres Vortrags wichtige traditionelle Gesten aus. Die Dauer jeder offiziellen Gesangsveranstaltung ist sehr lange und dauert manchmal die ganze Nacht bis zur Morgendämmerung. Die gesamte Siedlung, bestehend aus Frauen, Männern, Alten und Jungen, versammelt sich um die Gesangsgruppen.
Wie lange wurden nun letztlich die Dong-Lieder schon praktiziert? Die 85-jährige Liedmeisterin Sa Qiuhong antwortet, dass unter ihren Vorfahren das Gerücht kursierte, dass die Leute schon vom Anbeginn der Zeit die Lieder praktizierten. In chinesischen Dokumenten aus dem 12. Jahrhundert, befinden sich bereits Aufzeichnungen über die Dong-Lieder. In den geschichtlichen Dokumenten wird aufgeführt, dass bereits vor der Song-Dynastie, Dong-Lieder existiert haben sollen. Nach der Ming-Dynastie erreichten ihre Lieder, mit den mehrstimmigen Kompositionen, ein nahezu ausgereiftes Niveau. Obwohl die Lieder der Dong-Nationalität bereits über eine tausende Jahre alte Geschichte verfügen, bewahrten sie doch ihre Einzigartigkeit dadurch, dass sie so lange Zeit in den Gebirgswäldern versteckt blieben. Sie wurden erst in den 50iger Jahren des letzten Jahrhunderts entdeckt, geborgen und dokumentiert.