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Wir befinden uns in Zhanli, einem Bergdorf im Kreis Congjiang im Südosten der Provinz Guizhou. Es ist ein Selbstverwaltungsgebiet der Miao- und Dong-Nationalität. Die Lage ist ca. 25 km von der Provinzstadt entfernt in einer kleinen Siedlung der Dong-Nationalität. Auf der Landkarte von China ist Zhanli nicht auszumachen, da seine Fläche nur 15.97 qkm ausmacht. Das gesamte Dorf ist in 8 Gruppen und 168 Familien unterteilt. Es umfasst insgesamt 791 Personen. Obwohl es nur so ein kleiner Ort ist, hat es seit der Gründung des neuen China schon zwei Rekorde verzeichnet. Einer ist, dass die natürliche Wachstumsrate der Bevölkerung 0 beträgt. Der zweite ist, dass die Kriminalitätsrate ebenfalls 0 beträgt.
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Von 1368 beginnend bis heute, in der 641 Jahre dauernden Geschichte, blieb die Zahl der 168 Familien und der 791 Personen in Zhanli stets konstant. Zudem gibt es in jeder Familie exakt eine Frau und einen Mann. Die Menschen erfuhren in der Frühzeit die Folgen der Bevölkerungsexplosion, deshalb wird in der Dong-Siedlung, vorausschauend, seit einigen hundert Jahren ein Bewusstsein für die Kontrolle der Bevölkerungszahl gepflegt. Als Folge von Kriegswirren versteckten sich die Vorfahren an diesem Ort und gründeten eine Siedlung. Sie bauten Steine ab und betrieben Ackerbau. Ganz zu Beginn betrug ihre Familienzahl 5 und entwickelte sich sehr schnell auf mehr als 100 Familien. Da sich die Bevölkerungszahl zu schnell erhöhte und die kultivierbare Ackerfläche knapp wurde, kam es zwischen den Familien zu Streit und Kämpfen. Die Enkel erfuhren das Problem der Lebensmittelknappheit, sowie das erleiden von Hunger. In Folge dessen standen die Vorfahren vor der unvermeidbaren Überlegung wie das zukünftige Fortbestehen der Gemeinschaft aussehen soll. Wie die alten Bewohner der Siedlung erläutern, war der Vorschlag der Geburtenkontrolle zunächst zu Beginn der Qing Dynastie, von einem Vorfahren mit dem Namen Wu Gongli, gemacht worden. Er berief eine Dorversammlung in Zhanli ein und gab seinen Enkeln eine Regel auf. Die Ehepaare welche 2500 kg Reis anbauten, durften 2 Kinder bekommen. Denjenigen die 1500 kg Reis erzeugten, war gestattet ein Kind zu bekommen. Wenn gegen diese Regel verstoßen wurde, musste bei leichten Verstößen eines der Rinder des Verurteilten geschlachtet werden. Bei schweren Verstößen wurde er jedoch aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen oder seine Verwandten wurden schwer bestraft.
Diese Dorfregel hat sich bis heute gehalten. Wie seit jeher treffen sich die Dorfbewohner jedes Jahr am ersten Tag im zweiten Monat des Mondkalenders und zum ersten Tag des achten Monats. Sie versammeln sich alle am Trommelturm von Zhanli um dem Wort des Dorfsermons zu lauschen. Außerdem werden die Gesetze durch das Singen der Dong-Lieder verbreitet. Frisch verheiratete Paare müssen noch der Gottheit von Himmel und Erde gegenüber treten und gegenüber der Ahnenreihe einen Schwur ableisten, um die Erlaubnis zur Geburt eines Kindes zu erhalten. Dadurch wird gewährleistet werden, dass der Brauch weiter ausgeübt wird. Es soll für immer im Bewusstsein der nachfolgenden Generationen bleiben. An diesem Ort, ist es zum allgemeinen Bewusstsein und zum Kriterium des Selbstrespekts für alle Paare im heiratsfähigen Alter geworden, dass nur zwei Kinder geboren werden sollen.
Die soziale Interaktion zwischen Mädchen und Jungen im Dorf Zhanli ist sehr freizügig. Normalerweise gehen sie im Alter von 18 bis 19 Jahren Beziehungen ein. Wenn die Mädchen das zwanzigste Lebensjahr vollendet haben, dürfen sie heiraten. Jedoch heiraten die meisten erst im Alter von 23 Jahren. Seit der alten Zeit bis heute wird von den Leuten durchwegs die traditionelle „Kollektivehe“ praktiziert. Die Verlobung wird am 5. und 6. Tag im 1. Monat des chinesischen Mondkalenders abgehalten. Die Heirat findet am 26. Tag im 12. Monat des chinesischen Mondkalenders statt. In den ersten drei Jahren nach der Heirat lebt die Braut bei ihrer Familie. Damit wird das Hinauszögern der Geburt unterstützt. Zu einem gewissen Maß ist dies auch der Kontrolle der Bevölkerungszahl zuträglich.
Ungefähr 98% der Familien bringen je einen Sohn und ein Mädchen zur Welt. Es gibt ein von Vorfahren überliefertes traditionelles, pflanzliches Medikament, mit dem es möglich ist, das Geschlecht des Kindes, welches geboren werden soll, festzulegen, wenn es von der schwangeren Frau eingenommen wird. Dieses traditionelle Medikament wird als „Wandelblume“ bezeichnet. Es wird von einer einzelnen Person überliefert und ist nur in der Lage zu Frauen zu verwandeln, nicht zu Männern. Im gesamten Dort gibt es nur eine weibliche Medizinfrau, die die Herstellung dieses Medikaments beherrscht. Niemand außerhalb darf das Geheimnis dieses Medikaments erfahren.