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Danxia-Landschaften in Taining
Text und Fotographien von Wang Lei

 

Im Zeitalter der chinesischen Beamtenprüfungen, die über 1000 Jahre durchgeführt wurden, gingen zu Beginn des 11. und des 12. Jahrhunderts insgesamt 2 Beamte aus Taining hervor. Sie hießen Ye Zuqia und Zou Yinglong. Von der Bevölkerung Tainings werden sie bis heute mit großem Interesse verehrt. Dass in einem solch abgelegenen, öden Dorf, zwei kaiserliche Beamten hervorgehen konnten, liegt mit begründet in der stillen und natürlichen Umwelt dieses Ortes. In den Bergtälern der Vororte von Taining, gibt es einen Bergfelsen, die Leute nennen ihn „Zhuangyuanyan“ (Beamtenfels). Wie übermittelt wird, hat in jenen Jahren Zou Yinglong an diesem Ort sein hartes Studium verfolgt. Es ist ein derart einsamer Ort in den Bergen, an den es einen jungen Menschen zu Gunsten seiner Familie verschlägt. Auf dem Rücken trägt er Bücher und Lernutensilien sowie getrocknetes Getreide für einige Tage. Nach dem schwierigen Aufstieg über den kleinen Pfad entlang der Kliffe der Danxia-Felswand, lässt er sich in einer ausgedehnten Felshöhle nieder, wo er nur über einen kleinen Schreibtisch und eine ausgebreitete Matte verfügt. Wenn man in einer derartigen, von Kiefernwäldern und Bambushainen umgebenen, von der spirituellen Bergwelt eingehüllten Atmosphäre, sein wissbegieriges Herz dem Studium widmet, wäre es verwunderlich wenn man nicht den Beamtenstatus erlangen kann.

Tatsächlich ist es nichts Ungewöhnliches in den Berghöhlen zu lernen, da das Dorf Taining ebenfalls in den Felsen liegt. Es gibt unzählige Höhlen, sie haben in der Urzeit als Wohnstätten für die Bevölkerung gedient oder wurden zu anderen Zwecken von ihnen verwendet. Nur 8 km von Taining entfernt gibt es in einem Bergtal einen Ort der Lijiayan heißt. Er erhielt seinen Namen von seinem Besitzer, dem Beamten Li Chunye. Der Vater der Familie Li begann einst in dieser Höhle im hohen Gebirge einen Ort des Studiums zu errichten. In der Folgezeit wurde aus dem Studienort ein Tempel. Bis heute werden dort ununterbrochen Räucherstäbchen geopfert. Der Felsentempel wurde auf dem Berggürtel errichtet. Der Weg ins Kloster führt über einen Holzsteg, der frei schwebend an der Felswand befestigt wurde. An einigen Orten der Fels so tief, das man nur gebückt vorankommen kann. Abseits der Felsen herrscht ein bodenloser Abgrund. Die Touristen kommen nicht umhin, dass ihnen Angst und Bange wird. Wenn man meint,  dass es keinen begehbaren Weg mehr gibt, tut sich ein kleines Tor auf. Wenn man es sachte öffnet, erschließt sich vor den eigenen Augen eine Felshöhle. Wie die ansässigen Menschen erläutern, ist diese Höhle der Ort, an dem damals Li Chunye seine Studien wahrnahm.

Die Danxia-Landschaftsform bietet für die an diesem Ort ansässigen Menschen zahlreiche Ressourcen. Das Leben in diesem Dorf wird von Wildnis geprägt. Wenn man sich  gründlich zurückbesinnt in das Dorf Taining, kann man es bildhaft als „Taoyuan von einer anderen Welt“ bezeichnen. Der lokale Charakter ist schlicht und ursprünglich. Beim Interviewen traf ich oft auf freundliche Dorfbewohner die mir spontan Tee reichten. Sie luden mich ein, an ihrem öffentlichen Ort auszuruhen. An einem Regentag kletterte ich auf den, für Taining berühmten, Berggipfel Emei, weil ich die Rhododendron-Blüte sehen wollte. Wegen des starken Regens hatte mein Vorhaben aber keinen Erfolg, worauf ich am Wegrand eine kleine Pause machte. Dabei sah ich ein kleines Mädchen, welches voll beladen mit Frühlingsbambus, schnellen Schrittes, den Berg herunterstieg. Ich wollte das Gewicht der Tragestange ausprobieren, aber nachdem ich das Gewicht auf den Schultern hatte, erfuhr ich erst wie schmerzhaft es ist. Das Mädchen lachte mich aus. Sie nahm mich mit zu ihrer Familie, wo die Handwerkskunst der Bambuszucht betrieben wird. Nachdem die Bambussprossen in heißem Wasser gekocht wurden, werden sie in einer Holzkiste aufbewahrt. Danach werden einige berühmte Zutaten darauf verteilt. Nach dem Abdecken wird unter  Anwendung  von Körperkraft starker Druck darauf ausgeübt. Auf diese Weise kann der Bambus bis zum Winter oder sogar ins nächste Jahr hinein konserviert werden. Beim Verlassen gab mir das Mädchen noch einige besonders zarte Frühlingssprossen mit auf den Weg, welche mir ein schmackhaftes Abendessen bereiteten.

Hier im Ort gibt es überall alte Wandelbrücken, auf denen man sich vor Wind und Regen schützen oder auch ein wenig ausruhen kann. Hier sehe ich eine Brücke, die obwohl sie nur aus Balken und Ziegeln in einem Graugrün besteht, erscheint sie, als ob sie eine Art Spiritualität ausstrahlt. Die Leute können auf der Brücke dem Erdgott Opfer darreichen und um Glück beten, ebenso können sie hier ihre Feldgeräte lagern. So müssen sie bei Regenwetter diese nicht bis nach Hause tragen. Es gibt auch noch die Leute, die an der Zeremonie für die Dämonenaustreibung teilnehmen. Die Masken für die Dämonenaustreibung sehen furchteinflößend aus. Dahinter stecken jedoch redliche Männer. Wie gesagt, wird zurzeit der Dämonenaustreibung besonders der Windgeist, Regengeit und der Feuergeist respektiert. Andernfalls kann das Volk von einem kleinen Fluch oder kleinen Krankheiten heimgesucht werden.

Taining ist ein geheimnisvoller Ort, der so viele versteckte Schönheit birgt, die darauf wartet von den Menschen entdeckt zu werden. Aber es ist zu befürchten, dass dies den Eindrücken jedes einzelnen überlassen bleibt.

Im Januar 2009 hat der chinesische Staatsrat auf Anfrage von Geologen genehmigt, dass die chinesischen Danxia-Landschaften zum Weltnaturerbe erklärt werden sollen. Das Projekt umfasst die geschichtliche Auswahl: den Liangshan Berg in Hunan, den Danxia Berg in Guangdong, Taining in Fujian, den Longhu Berg in Jiangxi, den Jianglang Berg in Zhejiang, Chishui in Guizhou. Insgesamt 6 geomorphologische Danxia-Gebiete in 6 Provinzen wurden in den internationalen Auswahlprozess aufgenommen. Am 2. März gab das Amt für das Weltkulturerbe bekannt, dass es die Unterlagen für die chinesischen Danxia-Gebiete prüft und spätestens zum 34. Gipfel des Weltkulturerbekomitees im Jahr 2010 das Ergebnis mitteilen wird.

 

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