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Das kleine Kloster von Sanjiangyuan
Text und Bilder von Pema Chokyi Dolma

Was die Dorfbewohner betrifft, ist der junge Rinpoche nicht nur ein lebendiger Buddha des tibetischen Buddhismus, er ist auch ein Arzt. Rinpoche hatte einen früheren Lehrer, den berühmten Arzt Tsoru Tserang der tibetischen Heilkunst, der auch durch sein früheres Studium an der Medizinischen Schule, reichhaltige Erfahrungen in der westlichen Medizin gesammelt hat. Die Dorfbewohner können, falls sie krank sind, gleichzeitig zur Verehrung von Rinpoche, ihn auch um eine Behandlung bitten. An den Tagen, an denen Rinpoche anwesend ist, wird das Kloster zur ehrenamtlichen Arztpraxis. Untersuchungen, Impfungen und Medikamentenverteilung werden durchgeführt. Diesmal empfindet Nyima Oden mit seiner Familie sofort die alte Vertrautheit, als er den aus der Ferne zurückkehrenden Rinpoche wieder sieht. Allerdings ist seine Frau Yeshe Dolma erkrankt. Weil sie das Kind stillt, haben sich ihre Brustwarzen entzündet und sind schon angeschwollen. Die Stelle hat sogar schon begonnen zu eitern. Yeshe Dolma hält ihre Tochter täglich auf ihrem Schoß, in der Hand hält sie ihren Sohn. Im Kloster erhält sie eine endzündungshemmende Spritze. Eines Tages begann der kleine Sohn plötzlich zu weinen und zu brüllen. Rinpoche setzte ihn sich auf den Schoß und begann ihn zu trösten. Der alte Mönch sagte daneben: Es ist Schicksal.

Am letzten Tag des Saga Dawa Festes, bringt der Hirte Resa ein Pferd zum Eingang des Klosterhofes. Außerdem legt er Rinpoche, dem lebendigen Buddha, einen weißen Hada-Schal um. Nachdem Rinpoche den Hada-Schal entgegengenommen hat, rezitiert er Sutras und schlägt gleichzeitig die Varja Bindung. Resa nimmt den Sattel vom Pferd ab. Rinpoche scheidet ein langes Pferdehaar vom Rücken ab. Die gefaltete Varja wird mit dem Pferdehaar einige Male verknotet. Danach berührt der die Stirn des Pferdes und beginnt tief mit dem Lesen der Manuskripte. Wenn Rinpoche das rezitieren beendet hat, schlägt Resa einmal auf den Hintern des Pferdes. Das Pferd beginnt davon zu galoppieren, bis es in den Bergen verschwindet. Das ist die Zeremonie des Freilassens. Der tibetische Kalender schreibt diese Zeremonie für den 1. oder den 15. Tag des Mondkalenders vor. Damit wird die Tugend gewährt, was diesen Tag für Resa zu einem glücklichen macht, denn er hat ein Pferd seiner eigenen Familie freigelassen. Von hier an braucht es nicht mehr einen Sattel zu tragen. Es wird nicht mehr von den Menschen kontrolliert, stattdessen kann es frei bis zum Ende seiner Tage leben.  Weil auf den Körper des Pferdes das Varja gebunden wurde, wissen die anderen Hirten, dass es ein freigelassenes Pferd ist. Sie werden sein Leben in Freiheit nicht stören.

Obwohl die Hirten von Zhiran ein so schlichtes Kloster besitzen, aber dennoch verbringen sie ein frommes Leben. Obwohl die Menschen Jahr für Jahr in der 5000 Meter hohen Eistundra leben, kann man niemand von ihnen mit Fellen von wilden Tieren sehen.  Während der buddhistischen Feste halten sich die Menschen instinktiv an eine vegetarische Lebensweise. Was am meisten wertzuschätzen ist, dass die Leute selbst komplizierte Texte fließend rezitieren können.  Das kleine Kloster von Zhiran, ist eine Miniatur des Hirtenlebens von Qinghai und Tibet. Jeden Tag betonen sie die natürliche und ursprüngliche Lebenssituation, dieser reinen Hochebene von Qinghai, Tibet und Sanjiangyuan.

 

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