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In der Zhichun-Straße in Beijing gibt es ein Bürogebäude, an dem sich Kinder mit schrägen Bewegungen reihen. Ein gedämpftes Schnauben und Ausatmen ist zu vernehmen, welches die Umgebung in eine besondere Atmosphäre hüllt. Zhang Xiaohang patrouliert, mit den Händen hinter dem Rücken verschränkt, auf dem Platz hin und her. Immer wieder korrigiert er die Bewegungen der Kinder. Während der gesamten Zeit hängt ein sanftes Lächeln in seinen Mundwinkeln. An der Wand hängt ein hölzernes Tagel mit der Aufschrift „Respektiert den Kampf und ehrt die Moral“. Der liebenswürdig erscheinende Mann mittleren Alters, dem man hier begegnet, lässt eine leichte Spur von Enttäuschung aufkommen. Vor dem Interview hörten wir bereits viele Legenden über Zhang Xiaohang: „ Er ist der größte Meister des Wushus in Beijing! Wenn man von Zhang Xiaohang lernt, kann man schon nach 3 bis 4 Jahren bis zu fünf Meter hoch springen!“ Zhang Xiaohang entgegnet lächelnd dem Autor mit der Erklärung: „Vielleicht haben Sie schon zu viel über Wushu gelesen, tatsächlich lernen wir nur das gleiche Wushu wie alle anderen auch. Wir sind alle gewöhnliche Menschen.“
Zhang Xiaohang ist ein berühmter Kungfu-Meister aus Beijing, der inzwischen die vierte Generation an Schülern unterrichtet. Wenn er davon spricht, wie er sein Wushu erlernt hat, steht Zhang Xiaohang der Stolz im Gesicht geschrieben und ist nur schwer zu verbergen: „Meine Vorfahren gehörten zur Wache der kaiserlichen Familie.“ Zhang Xiaohang stellt vor, dass seine Kungfu- Kenntnisse auf über 400 Jahre zurückverfolgt werden können. Seine wirkliche Entwicklung nahm es aber während der Qing Dynastie (1644 - 1911). Sein Urahn Zhang Changzhen liebte das Wushu seit seiner Kindheit. Er besaß ein angeborenes Talent und einen freimütigen Charakter. Seine Vorliebe für Alkohol, sowie die Tatsache, dass er der drittgeborene Sohn war, verlieh ihm den Spitznamen „Zhang Nummer drei der Trinker.“ Nachdem er unter der Anleitung von großen Meistern gelernt hatte, schuf Zhang Changzhen die „Drei-Zhang-Methode“, womit er die Qualifikation, als Mitglied der Hofwache im Kaiserhof, erwarb.
Im Jahr 2007 wurde diese Kungfu-Methode als erstes immaterielles Kulturerbe von Beijing ernannt und wurde in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Was den Grund für die Wahl betrifft, so drückt Zhang Xiaohang aus, dass die „Drei-Zhang-Methode“ in seiner Entwicklung zwei Besonderheiten aufwies. Die erste Besonderheit ist die geheime Weitergabe. Die zweite ist, dass der Ruf in der Wushu trainierenden Schicht schon lange bekannt ist, jedoch die Leute erst seit kurzem über die Geschicklichkeit der Methode Kenntnis erwarben. Deshalb wird diese Methode von einer geheimnisvollen Färbung bedeckt. Während der 400 Jahre langen Entwicklung wurde diese Richtung nicht von anderen Einflüssen geprägt. Es hat immer sein traditionelles Antlitz bewahrt. Es ist ein „lebendiges Fossil“ aus dem Ende der Ming Dynastie bzw. den Anfängen der Qing Dynastie, welches einen sehr hohen kulturgeschichtlichen Wert für die archäologische Erfassung und Erforschung der Technik besitzt. Zhang Xiaohang stellt weiter vor, dass die Wushu-Trainierenden früher stark von der Familie beeinflusst wurden. Die Geheimnisse des Kung-Fu durften nicht nach außen getragen werden. Das war eine engstirnige Denkweise in den Familiensippen. Für den Fall, dass es keine Nachfolger mehr gab, war die Technik schon sehr schnell davon gefährdet, verloren zu gehen. Das ist auch heutzutage eines der Probleme, dem viele immaterielle Erben heute begegnen.
Gerade wegen solcher Überlegungen hat Zhang Xiaohang im August des Jahres 2009 die „Changchun Nationalschule für Wushu“ gegründet. Er hofft durch viele Kanäle, wie die Eröffnung von Wushu-Schulen, der Veröffentlichung von Büchern und dem Unterricht an Schulen, sowie über eine breite Schülerzahl, diese Methode des Kung-Fu entwickeln zu können. Die Wushu-Puppengruppe ist eine Erfindung von Zhang Xiaohang.