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  • Kaleidoskop
Frösche des tropischen Regenwaldes
Text und Bilder von Xian Duan

Die Insel Hainan ist die südlichste Provinz Chinas. Die Provinzhauptstadt Haikou liegt auf 20 Grad nördlicher Breite. Damit ist es der einzige tropische Ort Chinas. Hier gibt es Chinas vollkommensten Regenwald. Jianfengling, Wuzhishan und Louwangling sind die drei nationalen, tropischen Naturschutzgebiete und verfügen über den besten repräsentativen Charakter. Obwohl die Breitenlage der von Hawaii entspricht und der Sonnenschein, sowie der Strand genauso berühmt sind, ist dennoch der Regenwald hier der tatsächlich fruchtbarste Ort.

Was mich besonders hierher zieht, sind die tropischen Froschgattungen. Die tropischen Regenwälder von Jianfengling liegen im Ledong Bezirk von Hainan. Bis zur Küste sind es nicht mal 10 km. Deshalb ist der ozeanische Einfluss des Klimas aus den nördlichen Gebieten sehr offensichtlich. Durch diesen Umstand ist es in diesem

Teil des Regenwaldes noch feuchter. Beim Durchqueren werden die Besonderheiten der unteren Regenwaldschicht besonders deutlich. Man muss nicht einmal zehn Schritte machen, um auf einen der unzähligen Flüsschen oder Rinnsale zu treffen. Somit wird die Gegend nicht zu Unrecht als Gebiet der Frösche bezeichnet.

Als Mitarbeiter für Umweltschutz arbeite ich nun schon seit zwei Wochen auf der Kontrollstation des Naturschutzgebiets.  In der Regenzeit wird der Regenwald des Kernlands von der Insel Hainan von dichten Wolken bedeckt. Jeden Nachmittag kann es mehr als 2 – 3 Stunden regnen.  Wenn die Kleider gewaschen sind, trocknen sie in der Regel nicht mehr. Es ist eine Folge des starken Regens, weshalb unsere Gegenstände auch stark beeinflusst werden. Die Linse der Infrarotkamera, welche wir im tropischen Regenwald platziert haben, ist wegen der hohen Feuchtigkeit schon komplett von Wasserperlen bedeckt. Unsere Bilder sind deshalb auch zum größten Teil vom Regenwasser beeinträchtigt.

Um vier Uhr nachmittags schwächt das Regenwasser endlich ab. Ich sitze unter dem Dachvorsprung der Kontrollstation im Naturschutzgebiet und rauche gelangweilt eine Zigarette, wobei ich die umherfliegenden weißen Termiten zähle. Obwohl sie sich mit ganzer Kraft anstrengen, können sie sich mit ihren Nassen Flügeln nicht sehr lange in der Luft halten. Der größte Teil von ihnen fällt deshalb sehr schnell schon auf den Boden und muss ausruhen. Das Regenwetter treibt mit diesen weißen Termiten einen großen Scherz. Er spült nicht nur die Nestbauten von ihnen auf, gleichzeitig weckt er auch ihren natürlichen Feind. Das nasse Wetter vergrößert den Lebensraum der Froscharten, weshalb einige von ihnen die Tümpel verlassen und sich gemütlich neben den Schwärmen von  Termiten niederlassen. Dort beginnen sie dann ihr großes Festbankett. Das Regenwasser begünstigt zudem ihre Paarungszeit im Frühling, die bereits begonnen hat. So personifizieren die Froscharten die zwei Aspekte von essen und gegessen werden. Die Frösche sind bei den ortsansässigen Menschen der Li Minderheit freundlich als Shanmaguai bezeichnet.

Eines Nachmittags haben wir am Flussufer in einem Bergtal  nach Orchideen gesucht. Obwohl es sich nach einer leichten Beschäftigung anhört, war es in Wirklichkeit sehr mühsam. Viele Orchideen wachsen auf den Baumstümpfen kaputter Bäume. Die Umgebung ist äußerst feucht und zwingt die Menschen dazu, sich mühsam voranzuschleppen. Das Ablösen der Rinde von den vertrockneten Bäumen, ist der Schwerpunkt meiner Suche. Unter einer schmalen und feuchten Baumrinde entdeckte ich plötzlich einen Hongkong whipping Frosch (lat. Polypedates megacephalus). Er krümmte sich zusammen und rührte sich kaum, wodurch er nicht von der Baumrinde zu unterscheiden war. Erst als ich ihn leicht mit der Hand berührte, wurde ihm bewusst, dass er entdeckt wurde. Mit einem Satz sprang er hinunter in den kleinen Teich. Wie ein Pfeil bohrt er sich zwischen die Steine am Grund des Wassers. Der Shanmaguai lebt in Regenwäldern mit vielen verschiedenen Pflanzenarten, deshalb ist für ihn die beste Täuschung für Feinde  die Ablenkung und der Farbwechsel. Der große grüne Stinkfrosch besitzt ein Rückenmuster, welches er perfekt mit der Pflanzenumwelt verschmelzen lässt. Der Amolops daiyunensis ist ein Frosch, welcher auf seinem Rücken ein Muster wie dicht behaartes Moos besitzt. Wenn er still auf den Steinen krabbelt, sieht er nur wie ein Stück unauffällige Flechte aus. Der Microhyla heymonsi ist ein Frosch, der keine so raffinierte Körperfärbung besitzt. Er hat hingegen äußerst kräftige Hinterbeine, die es ihm ermöglichen, blitzschnell durch einen sehr weiten Sprung, vor seinen Feinden in Sicherheit zu bringen. Der Springfrosch, den ich unter der Baumrinde entdeckt habe, hatte sich zunächst in eine sichere Haltung zusammengezogen. Dann sprang er rasend schnell davon. Offensichtlich empfand er mich als Bedrohung. Tatsächlich kann man sagen, dass der Mensch zu den größten Feinden der Frösche zählt, wobei er wilde Tiere sogar noch übertrifft. Den Schaden, welchen er durch uns erfährt, ist schlimmer als derjenige der durch wilde Tiere erfolgt. Er verändert Luft und Wasser, welche für die Existenz der Frösche lebensnotwendig sind.

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