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Die Xiangxi-Seele von Li Xiaoying
Text und Fotografien von Li Xiaoying

In meinem Werk ,,Xiangxi de Xinling“ sind der größte Teil der Fotografien in Innenräumen aufgenommen. Die Leute, welche Xiangxi schon mal besucht haben, wissen es, dass die Diaojiao-Gebäude dort keine Fenster aus Glas haben. Die Beleuchtung ist nicht ausreichend, deshalb wurde oft in den Räumen offenes Feuer eingesetzt. Durch den Rauch und die Flammen über einen langen Zeitraum, haben die Bretter die Farbe von antiker Bronze angenommen. Landwirtschaftliche Arbeitsgeräte, Jagdwerkzeug, Angelutensilien, Küchengeräte und andere Gegenstände des alltäglichen Bedarfs waren über Jahrhunderte eine gewöhnliche Sache. Darüber hinaus sind die Farben der Kleider von den Menschen auf blau und schwarz beschränkt. Dies alles bildet den düsteren Grundfarbton von Xiangxi. Die Fotografie ist eine Kunst des Lichtes, wenn es fehlt,  ist alles weitere unmöglich. Aus diesem Grund spielt die Ausnutzung von Licht bei jedem meiner Bilder eine große Rolle. Schwaches Licht und große Lichtkreise in Verbindung mit langen Belichtungszeiten spielen bei den Aufnahmen in diesem Bildband die hauptsächliche Rolle. Dadurch konnte ich künstlerische Effekte erzielen, an die ich bisher nicht einmal gedacht habe. Einmal wurde ich gefragt, was ich mit ,,Xingxi de Xinling“ eigentlich ausdrücken will. Welchen Zweck ich damit verfolge. Wer das Werk gelesen und verstanden hat, der weiß, dass sie das Leben und die Bedingungen auf diesem Stück Erde, sowie die Sehnsüchte und Begierden des zukünftigen Lebens darstellen will. Ich habe die Wahrnehmung durch das Sehen auf das Herz der Bevölkerung gelegt. Unter der Verwendung des Ausdrucks von Freiheit, Frieden und Einfachheit fotografiere ich sie. Im Angesicht der beklemmenden Steine und stillen Holzbauten und offenen Innenhöfe, die zusammengewürfelten und vom Rost befallenen Landwirtschaftsgeräte, die hoch aufgehängten Weidenkörbe und wettergegerbten Holzbretter. Es sieht aus, als ob es nichts Schönes gäbe, sogar als ob es sich um ein Chaos und eine Gesamtheit des Schwermutes handelt. Tatsächlich hat alles einen tiefen menschlichen Charakter und Qualität. Eigentlich sind vor meiner Linse diese ruhenden Gegenstände und die aktiven Menschen alle ein Teil des Bildes von Xiangxi. Diese alte Stadt ist gezeichnet durch stürmische Veränderungen und Schlichtheit. Somit ist sie in ihrer Verborgenheit auch Gefühlsanregend. Während ich die Aufnahmen machte, musste ich mich selbst auch oft daran erinnern, meine Leichtfertigkeit und materiellen Nutzen fallen zu lassen. Ruhig und gelassen, langsam kauend kann man erst ihren Charme und den Inhalt verstehen. 

Das Buch ,,Xiangxi de Xinling“ stellt meine Seele und die von Xiangxi dar. Es ist der Funke, welcher aus einer Kollision entsteht. Xiangxi brachte kulturelle Meister wie Shen Congwen (1902 – 1988) und Huang Yongyu (1924 - ) hervor. Es ist nicht verwunderlich, dass Huang Yongyu nach dem Betrachten meines Buches bereitwillig die Widmung „Xiangxi Xinling hao“ (zu Deutsch: Die Seele von Xiangxi ist gut) schrieb.

Diese Widmung von Huang Yongyu ist ein Urteil über mich und mein Werk. Es ist darüber hinaus auch ein Urteil über die Heimat Xiangxi. Ein Mensch aus Xiangxi zu sein, meine ich, ist für mein Werk die höchste Auszeichnung.

 

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