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IM BILD
CHINA IM BILD ILLUSTRIERTE
  • Gesellschaft
Eine Nation im Fluss
Text und Fotografien von: Wildwolf

 

In der Familie von Suo Lang gibt es fünf Personen. Seine Frau, die 11-jährige Tochter, den 8-jährigen Sohn und seine über 70-jährige Mutter leben mit ihm. In seinem Lehmhaus gibt es zwei Zimmer, die äußerst schlicht sind. Das wertvollste ist der Stromkasten, welcher zu der Solaranlage gehört. Weil es sehr fern von der nächsten Stadt oder Ortschaft ist und die Menschen hier sehr wenige sind, gibt es hier keinen Anschluss an das öffentliche Stromnetz. Somit sind die Leute abhängig von der Sonnenenergie. Das einzige Elektrogerät ist ein altmodisches Radio. In der Mitte des Raumes ist ein kleiner Ofen platziert. Dort wird das Essen zubereitet und Wärme bezogen. In Erdlöchern sind Kissen aus Schafsleder eingelegt. Normalerweise sitzen sie dort mit übereinandergeschlagenen Beinen. In der Nacht wird darauf geschlafen. An der Wand lehnen einige Holzregale. Darauf sind religiöse Objekte und Gegenstände für den alltäglichen Gebrauch gelagert. An der Seite steht ein kleiner rechteckiger Tisch, auf dem Teegeschirr u.ä. abgestellt sind. Das sind die einzigen Kunstgegenstände in der Wohnung von Suo Lang. Tatsächlich sind die Hirten aber nicht so arm wie es erscheint. Suo Lang besitzt über 100 Schafe und über 10 Yaks. Diese Tiere haben einen lokalen Marktwert von mindesten über 10.000 Yuan. Auf die Frage, weshalb er nicht noch mehr Schafe züchtet, um sich ein noch wohlhabenderes Leben zu ermöglichen, antwortet Suo Lang: „Jedes Jahr nehmen wir eine kleine Zahl Yaks und Schafe, welche wir gegen Getreide, Backfett und Salz eintauschen. Die restlichen Yaks und Schafe werden dunkelblau gefärbt, das entspricht wohltätiger Tugend.“

Das Leben der Hirten ist sehr einfach, jeder Tag besteht aus Arbeit. Mit dem materiellen Genuss verglichen, ziehen sie den inneren Frieden vor. Immer mehr Kinder werden in die Städte geschickt, um die Schule zu besuchen. Sie gewöhnen sich an das Leben in steinernen Häusern. Das Leben von Hirten, inmitten von Wind und Regen, kommt ihnen schon etwas fremd vor. Auf die Frage, wer mal seine Tätigkeit übernehmen wird, antwortet Suo Lang gleichgültig: „Was für ein Leben man verbringt, ist für jeden selbst festzulegen.“

 

 

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