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Die Nachbarschaft von Ost und West
Das Porzellan, welchen während der Qing-Dynastie ins Ausland verkauft wurde, war in der Regel nach den Anforderungen des ausländischen Vertragspartners gefertigt. Dies betraf Größe und Dimension, sowie die darauf befindlichen Bilder. Aus diesem Grund befanden sich auf den Porzellangegenständen hauptsächlich europäische Motive, wie z.B. berühmte abendländische Gemälde, biblische Geschichten, griechische Mythologie, europäische Länder und Städte u.ä. Zudem wurden hauptsächlich europäische Maltechniken verwendet. Dennoch gibt es auch viele Porzellangefäße, die auf Grundlage chinesischer Elemente gestaltet wurden und ein bisschen ausländischem Flair einfließen ließen. Damit wurden sie zum Produkt der Nachbarschaft vom Osten und Westen.
Jedoch ist zurzeit die Erforschung von Exportporzellan der Qing-Dynastie erst in den Anfangsschuhen. Zunächst ist der Grund, dass die großen chinesischen Museen nur sehr kleine Sammlungen an chinesischem Porzellan besitzen. Die momentan größte Sammlung innerhalb Chinas, befindet sich im Museum von Guangzhou. Die Stadt ist auch durch ihre Funktion als Handelshafen, der schon während der Qing-Dynastie bestand, untrennbar verbunden. Nach einer Erfassung im Jahr 2005 besitzt das dortige Museum aber auch nur ca. 700 Stücke. Andere Museen sind noch weniger bestückt. Aus diesem Grund meinen nicht wenige Porzellansammler, Experten und Gelehrte, dass jenes Exportporzellan, welches gemäß dem Schönheitsempfinden und den Lebensanforderungen der Menschen aus dem Westen gefertigt wurde, nicht dem Ästhetikempfinden der Chinesen entspricht.
Was die Vermittlung der chinesischen Kultur ins Ausland betraf, so erreichte der Verkauf von Porzellan einen Nutzen, der bei weitem das sogenannte „Guan Yao“ übertraf. Porzellan, welches in den Brennereien, die unter öffentlicher Aufsicht standen, hergestellt wurde, bekam den Namen „Guan Yao“ (zu Deutsch: amtlicher Ofen). Diese Art von Porzellan besaß im Vergleich noch mal eine besondere Vorzüglichkeit in der Handwerkskunst. Die Bilder auf diesem Porzellan sind jedoch von ihrem Inhalt sehr monoton. Es wurde ausschließlich für die Verwendung der kaiserlichen Familie gebrannt. Seine Anzahl ist äußerst gering und nur wenige Menschen bekamen es je zu Gesicht.
Das meiste von dem chinesischen Porzellan, welches in den großen Museen der Welt zu sehen ist, wurde im Jahr 1860, von der Acht-Mächte-Interventionsarmee (vertreten aus Großbritannien, Russland, Japan, USA, Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich-Ungarn) geplündert, nachdem sie den alten Sommerpalast (Yuan Ming Yuan) zerstört hatten. In Frankreich stellte die chinesische Porzellanhalle Fontainebleau, das damals durch englisch-französische Truppen gestohlene Porzellan aus. Sie schenkten dem damaligen Herrscher Napoleon 80 Kisten chinesisches Porzellan.
Tatsächlich kann man aus der Zeit des Porzellanhandels der Qing-Dynastie noch tiefliegendere Dinge herauslesen. Hu Yanxi hatte in seinem Buch „Sammlung des Porzellanhandels der Qing Dynastie“ ein paar sehr interessante Fragen aufgeworfen.
Auf einer Platte, mit Personenmotiv, aus der Zeit des Kaisers Kang Xi, kann man in der Mitte zwei prächtige Pferdekutschen entdecken. Vor den Wagen sind zwei prächtige Rösser gespannt. Auf den Pferden sitzt ein Kutscher mit einer Peitsche. Hinter der Kutsche rennt ein Schirmträger, um den Passagieren mit einem großen Schirm Schatten zu spenden. Was für Unverständnis sorgt, sind die Passagiere. Ein ausländischer Mann trägt auf dem Kopf eine europäische Perücke und einen europäischen Mantel. Eng an ihn kauert sich eine chinesische Adelsdame mit Kleidung in chinesischem Stil und einem Phönix-Kopfschmuck.
Ein so seltsames Bild bringt die Menschen zum Nachdenken. Bei der Beurteilung der Zierlichkeit und Meisterhaftigkeit dieses Bildes lässt sich feststellen, dass dies keine japanische oder westliche Gestaltung ist. Es wurde in chinesischer Hand gefertigt. Ist diese Szene auf einer tatsächlichen historischen Begebenheit basierend oder handelt es sich um eine Fiktion aus dem Nichts heraus? Falls es reine Fiktion ist, stellt sich die Frage, wie ein Mensch auf solch eine Idee kam. Weshalb hat ein Mensch solch eine Gestaltung entworfen und malte solch ein lebendiges Bild? Diese Fragen sind nicht einfach zu beantworten.
Glücklicherweise haben die Menschen ein Interesse am Handel mit Porzellan. Auf diese Weise kann für einige denkwürdige und auch besonders rätselhafte Dinge eines Tages eine Antwort gefunden werden.