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Die sechs Landschaftsstriche von Motuo
Artikel und Bilder von Xie Gang

Motuo ist ein Stadtkreis an der südöstlichsten Grenze von Tibet. Er liegt am südöstlichen Ausläufer des Himalaya-Gebirges und grenzt somit an Indien. Hier gibt es ein weitgestrecktes Land, auf dem nur vereinzelte Menschen siedeln. Die gesamte Fläche beträgt 30.553 qkm und ist um die Hälfte größer als Wales. Die Bevölkerung beträgt allerdings nur ein bisschen mehr als 9.000 Menschen. In der tibetischen Sprache bedeutet der Name Motuo so viel wie „Blüte“. Gemäß den Legenden des tibetischen Buddhismus liegen in Motuo sehr viele geheimnisvolle buddhistische Schätze verborgen. Aus diesem Grund wird die Gegend als „Bogebaimagang“ bezeichnet, was „verborgene Lotusblume“ bedeutet.

Aus geografischer Sicht ist Motuo reich an Besonderheiten. Es gibt eine räumliche Vielfalt an natürlichen Landschaftsszenerien. Hier im Norden beträgt die Höhe über dem Meeresspiegel  7.782 Meter. Im Süden ist es nur ein Hügel von 200 Metern über dem Meer. Die gesamte Topografie hat den Namcha-Barwa-Gipfel als Angelpunkt. Er wird vom Brahmaputra (Flusslänge ca. 2900 km) in der Mittellinie umzogen und geteilt. Dadurch hat sich ein steiler und tiefgründiger Canyon gebildet. Er ist komplett in geheimnisvolle Farbtöne getaucht und wird als weltweit größter Canyon bezeichnet. Durch seinen großen Wasserdurchlauf befeuchtet er die tibetische Hochebene. Er verfügt über eisige Gletscherwände, die von einem bis zu -20 Grad kalten Wind durchzogen werden und über wird von 33.8 Grad warmen flackernden und blitzenden Urwalddschungeln gesäumt. Das Wasser des Brahmaputra tost wie Donner und hat klare, durchsichtige Wasserfallläufe. Es gibt auch Flurfeuchtgebiete, auf denen Takin-Männchen (tibetische Ziegenart) Kämpfe austragen. Die Hochgebirgsseen und die Zauberhaftigkeit der Vogellaute und des Blumenduftes prägen die Stille dieser Szenerie. Hier gibt es noch die hölzernen Gebäude und die neblige Abenddämmerung, den umherschweifenden Duft von rohem Reis und die Moinba-Nationalität, welche sich von Reiswein nährt. Auch die Lhoba-Nationalität und die Tibeter fügen sich mit ihrer Kultur in diese Szenerie. Die Umweltstiftung WWF hat entschieden, dass dieser Ort zu den 200 Stätten mit der größten Artenvielfalt gehört. Es ist ein nationales Naturschutzgebiet von China. 

Der erste Landschaftsstrich: Namcha Barwa 

Motuo ist der einzige Ort, an dem man am besten und am vollkommensten die Landschaft von Namcha Barwa bewundern kann. Die Gegend liegt im Norden von Motuo, auf einer Höhe von 7782 Metern über dem Meer. Es ist der höchste Berg im Osten von Tibet und dem östlichen Ausläufer des Himalayas. Er ist an 15. Stelle der höchsten Berge der Welt. Die dreizackige Gipfelkrone ist das ganze Jahr hindurch mit Schnee bedeckt und von Nebel umgeben. Es ist nur selten möglich, sein wirkliches Antlitz zu sehen, deshalb wird er auch als „Gipfel der scheuen Mädchen“ bezeichnet.

Es kann ohne Übertreibung gesagt werden, dass Namcha Barwa ein Gebiet ist, das von der tropischen bis in die arktische  Klimazone reicht. Es ist ein wahres Naturmuseum. Es wird vom Brahmaputra und dem großen Canyon eingekesselt. Der Gipfel ist weiß gefärbt vom Schnee. Darunter tropft das Grün herab. Es ist außergewöhnlich steil und beeindruckend. Wegen den komplizierten Bewegungen der Erdkruste kann hier der Unterschied zwischen Gipfeln und Flusstälern 5.000 – 6.000 Meter betragen. Es ist eine weltweit nur selten anzutreffende Gebirge-Tal-Formation. Der große Canyon grenzt an seiner südlichen Seite direkt an den Indischen Ozean. Der feuchtwarme Südwest-Monsun kann entlang des Brahmaputra nach Norden vorziehen. Dies bewirkt, dass die Orte dort auch vom ozeanischen Klima beeinflusst werden. Berggipfel und Täler haben reichen Niederschlag und warme Temperaturen. Dies bietet sehr gute Bedingungen für eine vertikale Verteilung der geografischen Natur. Im Tal des Brahmaputra gibt es entlang des Ufers eine große Fläche an dichtem tropischem Regenwald. Er steigt die Berghänge hinauf, wo sich jede Art von Laubbäumen miteinander vermischen. Oberhalb der Schneegrenze ist jedoch nur noch eine große weiße Fläche anzutreffen.

Namcha Barwa kommt aus der tibetischen Sprache und bedeutet „Blitz und Donner wie brennendes Feuer“. Im Gesar-Epos gibt es den Menling-Krieg, welcher beschreibt, dass eine Lanze gerade in den Himmel sticht. Eine örtliche Legende besagt, dass die Götter im Himmel eine Versammlung in der Ruhmeshalle einberiefen. Die vom Wind in großer Höhe verursachte Wolkenansammlung waren die Götter, welche den Wolkendunst aufflammen ließen. Auf dem Berggipfel hatte es noch einen göttlichen Palast und eine Verbindungsstraße zum Himmel. Die Menschen brachten dem steilen und gefährlichen Namcha Brama große Verehrung und Ehrfurcht entgegen. 

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